Kerzen und Wichtel

Es gibt absonderliche Verhaltensweisen, für die man einfach nichts kann. Sobald man in ein kritisches Alter kommt, ist man ihnen hilflos ausgeliefert. Nehmen wir die Dekorexie. Eine schwere Krankheit, von der überwiegend Frauen befallen werden, glaube ich. Die Dekorexie zeichnet sich dadurch aus, dass die Patientin einen interieurlastigen Lifestyleblog nach dem nächsten abonniert und bei Pinterest Bildmaterial für die Einrichtung der Häuser zusammenstellt, die sie in den kommenden Leben mal bewohnen wird. Schaut sie Filme, gerät die Patientin kaum noch aufgrund der Darsteller in verzücktes Quietschen, sondern eher angesichts der fan-tas-tisch eingerichteten Häuser. Sogar dann, wenn sie überhaupt nicht der Häuschentyp ist, so wie ich. Ich möchte kein Haus. In diesem Leben nicht und im Traum auch nicht. Nur das von Meryl Streep in „Wenn Liebe so einfach wäre“ , das würde ich sofort nehmen – allerdings nur ohne Alec Baldwin. Die an Dekorexie leidende Frau läuft also nicht mehr ganz rund und plötzlich tun es nicht mehr die süßen Weihnachtswichtel aus irgendeinem Laden, nein, jetzt müssen es dänische Wichtel sein. Die schauen zwar relativ trübsinnig drein – wahrscheinlich weil sie wissen, dass sie viel zu teuer sind und hässlich obendrein – aber dafür sind sie eben… na ja… dänisches Design halt.

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Münchhausens tolldreiste Lügengeschichten.

Seit ein paar Jahren fliege ich auf Lesestoff, der mir ein drohendes Ungemach schönreden soll: das Älterwerden. Und da meine ich nicht die Bücher, die mir als Leserin eigentlich nur Angst machen vor dem, was da noch kommen wird. Sondern die, die sich idealerweise durch einen dezenten bis mittelschweren Esotouch auszeichnen, der sich ohne die komplette Abgabe des Gehirns bei Leseantritt ertragen lässt. Ich möchte mir versichern lassen, dass die Vierziger die neuen Zwanziger sind. Und die Fünfziger die neuen Dreißiger. Oder dass Rosinen eben gewissermaßen die neuen Weintrauben sind  obwohl wir alle wissen, wie beliebt Rosinen im Müsli sind, ich persönlich sortiere sie immer aus. Das ist verhaltensoriginell, ich weiß. Aber andere suchen die Realität im Internet oder lassen sich für viel Geld das Essen verbieten – nennt sich dann Fasten- oder Detoxkur. Ist nicht weniger verhaltensoriginell. Und falls sich nun jemand an den Kopf fasst und denkt: „Äh… hä?! Sie sucht Bücher, die eher was von Münchhausens tolldreiste Lügengeschichten für die Frau ab 40 haben?!?“

Ja – so ist es! Ich möchte mich offiziell beschei**en lassen. Ich will, dass mir jemand glaubhaft versichert, dass das alles gar nicht so schlimm ist und dass ich umso toller werde, je älter ich werde. Ich bezahle also Geld, um mich belügen zu lassen mir ein neues Mindset reinprügeln zu lassen. Und warum? Weil ich zwar dabei bin, dem Selbstbetrug abzuschwören, dabei allerdings noch am Anfang stehe und demzufolge nicht gewillt bin, dieser Wahrheit unerschrocken ins Gesicht zu sehen. Wirklich überzeugende Bücher habe ich bisher allerdings noch nicht gefunden und es kam, wie es kommen musste: Ich wurde 40 – wieder und wieder, mittlerweile fünfmal – und registrierte erfreut, dass ich mich noch nicht beim Sitztanz wiederfinde und dass es zumindest um meine Hüftroation noch recht gut bestellt ist [macht das mal nach: klick und los]. „Münchhausens tolldreiste Lügengeschichten.“ weiterlesen

Fabelhaft…

Es gibt Menschen, die sich unglaublich gut verkaufen können. So gut, dass ich stets vor Neid erblasse. Einmal im Leben so lässig mit Blendgranaten hantieren können, das wär’s. Aber leider ist mir das nicht gegeben – bis jetzt. Denn im Rahmen meines Ja-Experiments sehe ich mich gezwungen, neue Wege zu gehen. Weil mich die alten Wege nicht dorthin geführt haben, wohin ich möchte. „Fabelhaft…“ weiterlesen

Der Heulsusen Zähmung…

Was Filme und Bücher angeht, fahre ich seit Jahren eine bewährte Strategie: Ich. Will. (M)Ein. Happy End. Alles andere ist nicht akzeptabel. Punkt. Und bis es zum Happy End kommt, soll möglichst nicht allzu viel gelitten werden. Oder anders: Wenn der Spannung halber schon ein bisschen gelitten werden muss, was ja sogar ich einsehe, dann wähle ich lieber Nancy Meyers als Quentin Tarantino [den ich ehrlich gesagt ohnehin nie wähle, weil ich alleine aufgrund der Kurzbeschreibungen seiner Filme daran zweifele, dass der Mann überhaupt weiß, dass es so was wie ein Happy End gibt. Den würde ich gerne mal mit einem Schmonzettenmarathon foltern].

Käme man auf die Idee, die Intelligenz eines Menschen an seine Vorliebe für bedeutungsschwangere, sehr vielschichtige und komplexe Filme oder Bücher zu knüpfen, dann läge die Vermutung nahe, dass ich dann wohl in etwa so intelligent wie ein Stück Treibholz oder ein Rudel Tiefkühlerbsen sein dürfte – was an manchen Tagen leider durchaus der Fall ist. Aber natürlich könnte eine Vorliebe für derart leichte Kost auch andere Gründe haben. Sogar mehrere.  „Der Heulsusen Zähmung…“ weiterlesen