Kerzen und Wichtel

Es gibt absonderliche Verhaltensweisen, für die man einfach nichts kann. Sobald man in ein kritisches Alter kommt, ist man ihnen hilflos ausgeliefert. Nehmen wir die Dekorexie. Eine schwere Krankheit, von der überwiegend Frauen befallen werden, glaube ich. Die Dekorexie zeichnet sich dadurch aus, dass die Patientin einen interieurlastigen Lifestyleblog nach dem nächsten abonniert und bei Pinterest Bildmaterial für die Einrichtung der Häuser zusammenstellt, die sie in den kommenden Leben mal bewohnen wird. Schaut sie Filme, gerät die Patientin kaum noch aufgrund der Darsteller in verzücktes Quietschen, sondern eher angesichts der fan-tas-tisch eingerichteten Häuser. Sogar dann, wenn sie überhaupt nicht der Häuschentyp ist, so wie ich. Ich möchte kein Haus. In diesem Leben nicht und im Traum auch nicht. Nur das von Meryl Streep in „Wenn Liebe so einfach wäre“ , das würde ich sofort nehmen – allerdings nur ohne Alec Baldwin. Die an Dekorexie leidende Frau läuft also nicht mehr ganz rund und plötzlich tun es nicht mehr die süßen Weihnachtswichtel aus irgendeinem Laden, nein, jetzt müssen es dänische Wichtel sein. Die schauen zwar relativ trübsinnig drein – wahrscheinlich weil sie wissen, dass sie viel zu teuer sind und hässlich obendrein – aber dafür sind sie eben… na ja… dänisches Design halt.

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Weniger ist mehr.

[Da mir die Lust aufs Schreiben momentan ein bisschen abhandengekommen ist, wärme ich noch mal eine Konserve auf. Anlass ist eine Mail, in der ich gefragt wurde, wie ich denn mit dieser Social-Media-Informationsflut umgehen würde. Eine Frage, die mich auch oft umtreibt, denn mal ehrlich: Es ist schon ein Vollzeitjob, sich all die Blogposts und Youtube-Clips reinzuziehen, von den sonstigen Social-Media-Aktivitäten möchte ich gar nicht erst reden. Und genau deswegen hatte ich damals diesen Post geschrieben. Der gilt nach wie vor. So, wie er hier steht. Und gespaltene Persönlichkeit, die ich sein kann, habe ich ihn selbstverständlich aus Bloggerinnen- u. Leserinnensicht geschrieben.]
#kann Spuren von Ironie enthalten
#voraussichtliche Lesedauer: 3 Stunden

 

Heute schon die Social-Media-Kanäle gefüttert?

Heute schon Inhalte geteilt? Oder eure eigenen Posts auf den relevanten Social-Media-Kanälen (FB, Google+ & Twitter) beworben? Und anschließend auch gleich die restlichen Social-Media-Babys gefüttert? Also Instagram, Snapchat, die Pinterest-Wand neu bestückt und mal schnell einen Clip bei Youtube hochgeladen? Nein? Dann, und es tut mir sehr leid, euch das sagen zu müssen, werdet ihr nie wirklich erfolgreich werden. Bekannt schon gar nicht. Denn wer heute nicht voll auf der Social-Media-Welle mitschwimmt, ist ganz schnell von vorgestern. Dann seid ihr Menschen wie ich. Das ist hart, ich weiß. Wollen wir erst eine Runde gemeinsam weinen? Gut. Und nun lasst uns mal über den heiligen Social-Media-Gral, Erfolg beim Bloggen und das Teilen von Inhalten reden, weil das für mich irgendwie alles zusammengehört. Erklärend möchte ich aber vorwegschicken, dass ich jemand bin, der Bücher wie „Networking für Networking-Hasser“ gelesen hat und grundsätzlich nicht alles toll findet, nur weil es alle machen oder weil man das eben so macht und weil es neu ist.

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Good vibes only. (M)Ein Worst-Case-Szenario.

# kann Spuren von Ironie enthalten

Hin und wieder frage ich mich, warum ich bisher noch nicht das Beste aus mir und meinem Leben rausgeholt habe. Denn wenn ich das getan hätte, wäre ich ja wohl eine dieser wahnsinnig inspirierenden Frauen, die auf Instagram wohnen und die scheinbar nur existieren, damit andere sich fragen, warum sie noch nicht das Beste aus sich und ihrem Leben rausgeholt haben. In Fluffihausen ist die Sache nämlich ganz einfach: Wir haben unsere Leben in der Hand und wir können alles erreichen, was wir uns vornehmen. Alles. Zwischen Theorie und Praxis gibt es da keinen Unterschied, entscheidend sind lediglich die Vibes. Die müssen gut sein, dann ist alles möglich und sogar noch mehr.  „Good vibes only. (M)Ein Worst-Case-Szenario.“ weiterlesen

Männer. Frauen. Giftfeder.

#kann Spuren von Ironie enthalten

[Liebe Suchmaschinennutzer,
egal welcher Suchbegriff euch hierher geleitet hat,
ihr werdet in diesem Post nicht das finden, wonach ihr sucht. Das verspreche ich euch.]

Es gibt Tage, da überfällt mich morgens beim Blick in Feed- u. Newsreader eine latente Übelkeit. Schlagzeilen aus der Hölle, die den Anschein erwecken, als kreisten die Gedanken der Leserinnen vorrangig um zwei Dinge: um den Bauch und um Männer. „Männer. Frauen. Giftfeder.“ weiterlesen

Glitzer, glitzer, trallala…

#kann Spuren von Ironie enthalten

Mit all der Konsequenz, die ein inkonsequenter Mensch besitzt, habe ich vor einiger Zeit den Frauenzeitschriften abgeschworen [Übersetzung: Es gab ein paar Rückfälle, über die ich hier aber nicht weiter reden möchte]. Seither lese ich meine Bücherregale leer – ein hoffnungsloses Unterfangen, da ich aus Angst, über Nacht zu verblöden, ja ständig für Nachschub sorge – und schränke parallel dazu meinen Social-Media-Konsum erheblich ein. Das ist nötig, denn sobald ich meine zwischen die Buchdeckel gepresste Welt verlasse, bekomme ich die Krise.

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Un|Fair: Der Jeans-K(r)ampf

Ohne Jeans geht bei mir nicht viel bis gar nichts. Nachdem ich mich vor einiger Zeit allerdings intensiver mit ihrer Herstellung befasste, erhielt meine Jeansliebe einen gewaltigen Dämpfer. So gewaltig, dass ich mir nicht mal mehr neue kaufen wollte – was zum Glück auch nicht nötig war. Faire oder umweltvertägliche Herstellung? Im Himmel ist Jahrmarkt und Bangladesch ist überall. Da macht es leider auch keinen Unterschied, ob ihr zum 10€-Wegwerfartikel oder der edlen Labeljeans greift- in den Drecktümpeln hinter den Fabriken vereinen sich die Farb- und Giftstoffe von „billig“ und „edel“ und ich muss zugeben, dass mich das am meisten ärgert. Wenn ich für eine Jeans schon mehr bezahle, dann nicht, weil man ein tolles Label draufpappt, sie irgendwelchen VIPs über den Hintern streift und die Welt mit Werbekampagnen überrollt. Sondern weil sie so hergestellt wird, dass weder Mensch noch Umwelt darunter leiden müssen.

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Münchhausens tolldreiste Lügengeschichten.

Seit ein paar Jahren fliege ich auf Lesestoff, der mir ein drohendes Ungemach schönreden soll: das Älterwerden. Und da meine ich nicht die Bücher, die mir als Leserin eigentlich nur Angst machen vor dem, was da noch kommen wird. Sondern die, die sich idealerweise durch einen dezenten bis mittelschweren Esotouch auszeichnen, der sich ohne die komplette Abgabe des Gehirns bei Leseantritt ertragen lässt. Ich möchte mir versichern lassen, dass die Vierziger die neuen Zwanziger sind. Und die Fünfziger die neuen Dreißiger. Oder dass Rosinen eben gewissermaßen die neuen Weintrauben sind  obwohl wir alle wissen, wie beliebt Rosinen im Müsli sind, ich persönlich sortiere sie immer aus. Das ist verhaltensoriginell, ich weiß. Aber andere suchen die Realität im Internet oder lassen sich für viel Geld das Essen verbieten – nennt sich dann Fasten- oder Detoxkur. Ist nicht weniger verhaltensoriginell. Und falls sich nun jemand an den Kopf fasst und denkt: „Äh… hä?! Sie sucht Bücher, die eher was von Münchhausens tolldreiste Lügengeschichten für die Frau ab 40 haben?!?“

Ja – so ist es! Ich möchte mich offiziell beschei**en lassen. Ich will, dass mir jemand glaubhaft versichert, dass das alles gar nicht so schlimm ist und dass ich umso toller werde, je älter ich werde. Ich bezahle also Geld, um mich belügen zu lassen mir ein neues Mindset reinprügeln zu lassen. Und warum? Weil ich zwar dabei bin, dem Selbstbetrug abzuschwören, dabei allerdings noch am Anfang stehe und demzufolge nicht gewillt bin, dieser Wahrheit unerschrocken ins Gesicht zu sehen. Wirklich überzeugende Bücher habe ich bisher allerdings noch nicht gefunden und es kam, wie es kommen musste: Ich wurde 40 – wieder und wieder, mittlerweile fünfmal – und registrierte erfreut, dass ich mich noch nicht beim Sitztanz wiederfinde und dass es zumindest um meine Hüftroation noch recht gut bestellt ist [macht das mal nach: klick und los]. „Münchhausens tolldreiste Lügengeschichten.“ weiterlesen