Good vibes only. (M)Ein Worst-Case-Szenario.

# kann Spuren von Ironie enthalten

Hin und wieder frage ich mich, warum ich bisher noch nicht das Beste aus mir und meinem Leben rausgeholt habe. Denn wenn ich das getan hätte, wäre ich ja wohl eine dieser wahnsinnig inspirierenden Frauen, die auf Instagram wohnen und die scheinbar nur existieren, damit andere sich fragen, warum sie noch nicht das Beste aus sich und ihrem Leben rausgeholt haben. In Fluffihausen ist die Sache nämlich ganz einfach: Wir haben unsere Leben in der Hand und wir können alles erreichen, was wir uns vornehmen. Alles. Zwischen Theorie und Praxis gibt es da keinen Unterschied, entscheidend sind lediglich die Vibes. Die müssen gut sein, dann ist alles möglich und sogar noch mehr. 

Das Leben als All-You-Can-Eat-Buffet, Magenverstimmung tags darauf inklusive. Und das Allheilmittel heißt natürlich: Kamillentee good vibes only. Probleme mit Mann/Freund, Kind(ern), Haustieren oder der Nachbarin (und deren Männern, Kindern und Haustieren) existieren nicht und außerdem gibt es auch überhaupt keine Probleme – das sind maximal Herausforderungen, an denen man wächst oder Lerngeschenke, aus denen man nur das Beste zieht. Aber viel wichtiger: Krankheiten, finanzielle Sorgen oder andere unschöne Dinge suchen euch und eure Lieben aufgrund eurer good vibes gar nicht erst heim. Es sei denn, ihr habt einen Fehler im (Denk)System, da müsst ihr natürlich dringend und ganz fix gegensteuern, um flugs auf einer höheren Frequenz zu schwingen, sonst wird das böse enden. Ganz böse…

Naheliegend, dass manche Menschen lieber positiv als negativ denken wollen. Ich zum Beispiel. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass ich mir gigantische Scheuklappen basteln muss, weil ich mich ja geradezu exzessiv NUR auf das Positive fokussieren darf, da ich anderenfalls den Mist in mein Leben ziehe, an dem ich nicht interessiert bin. Wer will schon Lerngeschenke, wenn er richtige Geschenke bekommen kann? Nachdem ich im Rahmen meines kleinen Worüber soll ich eigentlich schreiben-Mimimis allerdings mal in mich gegangen bin, zweifele ich doch sehr daran, dass „good vibes only“ und ich so zueinander passen, dass ich da zur Gedankenmonogamie bereit wäre.

(M)Ein Glühwürmchen-Bootcamp

Spiele ich nämlich gedanklich mal das Worst-Case-Szenario der exzessiv gelebten „good vibes only“ durch, wird mir ganz anders. Irgendwie habe ich mir mein Glühwürmchen-Bootcamp etwas anders vorgestellt und nicht wie ein Drama in mehreren Akten…

  • Da das Leben hier in diesem Vorort zur Hölle oder der Brutstätte des Bösen für ein „good vibes only“-Seelchen wie mich, das ohnehin schon sensibel auf Reize jeder Art reagiert, einfach unerträglich ist, sehe ich mich genötigt, mein Basislager anderswo aufzuschlagen. Beschließe daher, mir ein schnuckeliges cozy Cottage am Arsch der Welt zu kaufen. Um dann dort zu bleiben. Für immer. In diesem Cottage und nur dort. Weil die Welt da draußen ja grausam und überhaupt nicht cozy ist. Da ein schnuckeliges Cottage allerdings nicht für’n Appel und’n Ei zu haben ist, muss ich erhebliche Abstriche machen, so dass mir am Ende eine bessere Besenkammer bleibt. Wollte schon immer Harry Potter spielen, yeah. Think positive!
  • Da sitze ich nun. In meiner zugigen Bretterbude meinem cozy Cottage am Arsch der Welt. Und ich habe Zeit. Viel Zeit. Weil mich das Leben, das ich vorher führte, ja in diese Situation gebracht hat. Also krempele ich konsequent alles um. Alte Hobbys weg, alte Gewohnheiten weg – so eine kleine Umprogrammierung dauert nur rund 66 Tage, da lache ich doch drüber. Ha. Ich fühle mich fantastisch, denn ich weiß ja, was demnächst aus mir werden wird! Ich sehe mich im Geiste glitzern und funkeln und eine wahrhaft magnetische Anziehungskraft entwickeln, der sich nichts und niemand entziehen kann. In nur 66 Tagen – wobei ich gedanklich extra nochmal vier Monate draufpacke, da ich um meine Lernresistenz weiß – werde ich mich in das ultimative Super-Glühwürmchen verwandeln. Und anschließend „Immer dem Licht nach“-Onlineworkshops geben sowie ein Elixier für den ultimativen Glow entwickeln- gewonnen aus dem Extrakt echter Glühwürmchenfreudentränen. Es wird wundervoll werden. Ich werde stinkreich alle glücklich machen und auch so eine inspirierende Frau werden, die auf Instagram wohnt… hach…
  • Stelle fest, dass ich hier in meiner Bretterbude meinem Cottage doch ein bisschen einsam bin. Die bisherigen Freund- und Bekanntschaften musste ich ja leider aus meinem Leben kicken, denn wer nicht willens ist, knallhart positiv zu denken, fliegt. Mein Leben, meine Regeln, da kann ich keine Miesmacher brauchen. Fühlt sich zwischendurch ein bisschen komisch an, aber wenn ich richtig gepolt bin, ziehe ich bald wie bald, weiß ich allerdings nicht und stelle mich auf eine längere Durststrecke ein die Menschen an, die auch so dauerglückszugedröhnt sind wie  ich es bald sein werde, denn das ist ein universelles Gesetz. Merke: Was du ausstrahlst, ziehst du an und was du gibst, bekommst du zurück – ungefähr drei- bis achtmal heftiger. Oh.Mein.Gott. Verkackt, aber so richtig! Hätte ich das doch ein kleines bisschen früher gewusst… idealerweise schon vor 30 Jahren..
  • Schlaufuchs, der ich bin, habe ich im Rahmen langer – und mangels Gesprächspartner auch recht einsamer – Spaziergänge mal eben ratzfatz die den Hauptschuldigen des allgemeinen Werteverfalls und Verursacher all des Elends auf dieser Welt ausfindig gemacht. Es sind größenwahnsinnige Despoten, denen jemand ins Hirn *zensiert* hat Es ist das Internet und mit ihm die sozialen Netzwerke, vor allem Facebook und Instagram! Das Internet ist die Quelle des Bösen. Sodom und Gomorra! Mord und Totschlag! Elend! Jammerei. Und vor allem: Fake, Fake, Fake und dann noch Photoshop! Eine einzige Verblödungs- und Manipulierungsmaschinerie. Aber nicht mit mir. Na gut… vielleicht hin und wieder… bisschen Inspiration kann nicht schaden.
  • Gelegentlich denke ich nach. Ein bisschen, aber nicht zu viel. Das stresst mich sonst. Wobei das Fatale ja ist, dass das Denken umso stressiger wird, je seltener man es versucht! Ein Teufelskreis, ich sag’s euch, das wird böse enden. Dennoch treiben mich u.a. die Fragen um, welche Nagellackfarbe heute zu meiner Stimmung passt oder wo ich die Dinge für den alltäglichen Gebrauch herbekomme? Ich kann ja wohl schlecht mein Glühwürmchen-Bootcamp verlassen und wie eine Normalsterbliche im Dorfsupermarkt aufschlagen, um dort mit diesen auf niedriger Frequenz schwingenden Negativlingen konfrontiert zu werden. Lieferservice wäre vielleicht eine Option. Das Zeug müsste aber natürlich irgendwie gereinigt werden… energetisch und überhaupt, ehe es meine positiven Grenzwälle Türschwelle passieren dürfte.
  • Es ist nicht nur einsam, es ist auch stinklangweilig. Liegt u.a. daran, dass ich, um mein fragiles Seelenheil nicht zu gefährden, nur noch Zeitschriften, Bücher und Blogs konsumiere, die sich thematisch auf einem Niveau bewegen, das mich nicht verstört. Bleiben Themen à la: Du läufst während des Zähneputzens am liebsten durch die Gegend – was halten Freud und Jung davon? Du hasst die Löffelchenstellung – was für ein Beziehungstyp bist du? Kurz und gut: Ich erfahre viel über mich. Leider nichts, womit ich wirklich was anfangen kann.
  • Da ich in meiner Einsiedelei ja nicht 24/7 über Nagellack, Löffelchenstellung und Strichmännchenkritzeleien nachenken kann und es auch recht öde finde, andauernd Nabelschau zu betreiben, bleibt mir nur eins: Ich mutiere langsam aber sicher zum perfekten Stepford-Frauchen. Ich praktiziere täglich Clairerobics und bin stets auf der Suche. Auf der Suche nach dem perfekten Putzmittel, dem besten Apfelkuchenrezept und der ultimativen Duftkerzenkollektion, deren Duft mir das Hirn wegflasht weil sich so ein wahnsinnig auf positiv getrimmtes Leben ohne Hirn ja sehr viel besser ertragen lässt.
  • Lebe nun seit einem Vierteljahr als Eremit in meinem Glühwürmchen-Bootcamp und stelle fest, dass ich tatsächlich weder online noch offline nennenswerten Bekanntschaften geschlossen habe. Dummerweise kann ich Menschen, die sich so stur aufs Positive fokussieren, wie ein Zweijähriger auf die Teletubbies, nicht so richtig leiden. Langweilig und auf eine andere Art ebenso anstrengend wie die, die kurz nach dem Kennenlernen den ganzen schweren Sack ihrer persönlichen Gesichte auf den Tisch knallen und ihn dann dort stehenlassen. Kein Wunder, dass ich mich mittlerweile lieber mit Tieren und Pflanzen unterhalte.
  • Sechs Monate läuft mein Glühwürmchen-Bootcamp nun schon. Sitze zusammengerollt auf meinem cozy Sesselchen, ziehe das kuschelige Kaschmirplaid noch ein bisschen fester um mich, während mir diese verdammte Duftkerzendröhnung fast den Atem raubt eine sanfte Duftkerzenbrise meine Sinne erfreut und folge gebannt den Abenteuern der Biene Maja. Alle anderen Filme und Serien stressen mich zu sehr. Nachrichten habe ich seit Monaten weder gehört noch gesehen, weil ich Leid und Elend immer weniger ertrage erwäge darum auch, auf Lichtnahrung umzusteigen, ich kann meine einzigen Gesprächspartner doch nicht auffressen und da sehe ich es… die Biene Maja ist nicht jugendfrei! Was für eine unfassbare Sauerei! In was für einer Welt leben wir denn?! Ich will meinen Ponyhof! Sofort! Raufe mir die wirren Haare für wen soll ich mich auch stylen, meinen Tieren und Pflanzen ist es wurscht, wie ich aussehe und bekomme urplötzlich einen klitzekleinen Nervenzusammenbruch, weil mir schwant, dass aus mir kein Glühwürmchen geworden ist, sondern ein nervliches Wrack. Die Titanic, die stets zu sinken bereit ist, sobald sie nur von einem Möwenschiss getroffen wird. Verkackt.

Gut. Mein möglicherweise leicht überzogenes Gedankenspiel zeigt mir, dass ich wohl lieber doch nicht zur krampf- u. zwanghaften „good vibes only“-Schleuder werden möchte. Nicht, weil es mir nicht wirklich entspricht. Sondern weil ich stets daran interessiert bin, meine seelischen Widerstandskräfte zu stärken. Und „good vibes only“ stärkt sie nicht, es schwächt sie ebenso sehr wie „bad vibes“ – vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. Weil sie mich nicht nur in das enge „du musst alles positiv sehen“-Korsett schnüren, sondern auch schnell mit Schuldzuweisungen bei der Hand sind. Stimmen die Vibes, ist doch alles ganz einfach und wer auf der richtigen Frequenz schwingt, hat nichts zu befürchten… Darüber hinaus würde es mich vermutlich auch zu der Art von Frau werden lassen, die ich nun definitiv nicht sein möchte: Ein recht empathieloses Wesen mit dem Tiefgang eines Korkens, das allem gegenüber blind ist, was nicht ins eigene Weltbild passt. Nein danke. Da schaue ich mir doch lieber hin und wieder bewusst die Sachen an, die mich nerven und die Giftfeder in mir reizen. Und vertraue darauf, dass ich mit dem umgehen kann, was mir das Leben serviert. Irgendwie. Möge es gut werden.

[Anmerkung: Kluge Leser verstehen natürlich, dass es sich hierbei nicht um ein Plädoyer für gepflegten Pessimismus handelt. Stattdessen geht es darum, bei allem Optimismus die Realität im Blick zu behalten. Und ja, schon klar, dass es nicht nur die eine Realität gibt, das ist allerdings ein anderes Thema. ]

 

Fotocredits: pixabay/StockSnap

24 Kommentare zu „Good vibes only. (M)Ein Worst-Case-Szenario.

  1. optimismus ist nur mangel an informationen…..
    ;-D
    herrlichen quark hast du da verzapft!! einfach grossartig und sehr lustig! und wie alle guten witze mit sehr viel ernstem kern… diese „good vibes“-nummer fand ich schon immer bescheuert bis gruselig – schon bei diesen althippies die man früher in B an jeder ecke traf. dass das ganze eine flitterüberstreute renaissance erlebt heutzutage, zeigt nur, dass die menschheit keinen schritt weitergekommen ist die letzten 50 jahre. ein trauerspiel.
    andererseits – ich will die ganzen deppen/planschkühe ja auf keinen fall später im nirvana wiedertreffen – also sollen die mal alle schön den falschen heilsversprechungen nachrennen – hähä.
    auf dich allerdings freu ich mich schon. das wird eine prima party!
    ;-DDD

    Gefällt 1 Person

    1. Da ist sehr viel dran @ optimismus ist nur mangel an informationen 😉 Und genau das macht’s auch so schwierig: Weißt du zu wenig, wird’s problematisch (äh… besonders herausfordernd) und weißt du zu viel, fängst du vielleicht gar nicht erst an – also du vielleicht schon, ich aber eher nicht. Und dass die Menschheit (zumindest ein Teil davon, möchte mich da selbst nicht ausschließen) nicht so wirklich weit gekommen ist, denke ich mir auch oft. Sehr oft. 😉

      Lieben Gruß ins Bahnwärter(innen)haus! 😉

      Gefällt mir

  2. Ach Anna, wer behauptet, dass man mit rein kognitiven Denkansätzen sein ganzes Leben zurecht denken kann, der lügt entweder ganz bewusst um Kohle zu scheffeln oder hat einfach keine inneren Muster, die immer wieder gegensteuern. Das hat auch alles viel mit Neurologie zu tun, denn es gibt Bereiche im Hirn, die kannst Du kognitiv beeinflussen und solche, da braucht es schon mehr und dann ist noch immer nicht sicher, ob das auch so klappt – aus einem Hasen machst Du im Leben keinen Tiger. Und das ist auch in Ordnung so, egal was die Good-Vibes-Leute erzählen. Davon abgesehen ist der Hase gut beraten, seine Hasenkräfte zu nutzen und auf den Tiger zu pfeiffen.

    Nimm sie ruhig alle auf die Schippe, solange Dich die Wut dabei nicht zerreisst oder sonstwie schädigt. Aber es ist ja auch gut, wenn Du für Dich einen Weg gefunden hast, die Wut über diesen Shitkram rauszulassen und mit spitzer Giftfeder im Anschlag kommt für uns alle was bei rum, die dann mitlesen dürfen 😉

    Hab ein schönes Wochenende ♥

    Lg
    Clara

    Gefällt 1 Person

    1. Option 3 (wobei es sicher noch mehr gibt) wäre vielleicht die Angst, das Leben nicht unter Kontrolle zu haben. Wie ein kleines Kind, das sich die Augen zuhält und davon ausgeht, dass das, was es nicht sieht, auch nicht vorhanden ist. Good vibes only und mir wird nie was passieren. Da kannst du eigentlich nur Mitgefühl empfinden, keine Wut. Es sei denn, man drückt mir mit missionarischem Eifer seine Vibes aufs Auge, dann ist Schluss mit lustig. 😆

      @Tiger und Hase: Da fällt mir nur dieses großartige Zitat von (wohl) Einstein ein:

      „Jeder ist ein Genie! Aber wenn Du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, dass er dumm ist.“

      Ich liebe dieses Zitat.

      ❤ lichen Gruß und ein schönes WE dir auch!

      Gefällt mir

      1. Es ist immer besser, man hat nur noch Mitleid für die Leute übrig, das macht – finde ich – entspannter. Soll doch jeder soviele oder so wenig Vibes haben, wie er will. Und ja, Option drei ist vermutlich mit dabei, meistens ist es doch ein Kuddelmuddel aus sovielen Dingen….

        Ach, es kann Dir gar keiner seine Vibes aufs Auge drücken, die nimmst Du einfach nicht an und gut ist. Ich finde übrigens, dass das ein sehr leidenschaftlich geschriebener Text ist – man merkt richtig, dass Dir das alles sowas von ab geht. Das finde ich richtig gut, ich mag dieses Gerede auch nicht, erst recht nicht, wenn wirklich gute philosophische Ansätze so dermaßen verhackstückelt und falsch interpretiert weitergegeben werden, wie das bei den Good-Vibes-Leuten gerne mal der Fall ist. Da ist die spitze Giftfeder genau das richtige Mittel zur Wahl!

        Das Zitat von Albert Einstein kenne ich auch – es ist verflixt gut!

        Gefällt mir

        1. Ich mag das ja, wenn man sich seine eigene Lebensphilosophie aus vielen verschiedenen Puzzleteilchen zusammenstellt, aber wenn etwas so Vielschichtiges (das Leben) auf ein schlichtes „think positive“ runtergebrochen wird, dann bekomme ich schlechte Laune. 😛

          Gefällt mir

  3. realistisch gesehen hast Du natürlich recht. 😉 Wobei: ich zB zu einem heulenden Elend geworden bin, nachdem ich mir neulich eine wirklich herausragende, aber durchaus brutale Reportage reingezogen habe, mit Bildern die „Stepford-Frauen“ einfach nicht erblicken sollten (eine Reportage über einen Fotografen, der nach seinen Reportagen den Glauben an die Menschheit verlor, weil er so ehrlich fotografiert hat und auch das grausame Elend nicht ausparte), und schwupps saß ich da und heulte pessimistisch was das Zeug hält, verstehend, dass ich offenbar genau diese „Good-vibe-Schleuder“ geworden bin, wie es in unserer verweichlichten, superkonsumiernden Gesellschaft schon „normal“ geworden ist. Und ich wollte sowas auch mal machen, das Elend fotografieren und denen zeigen, die verweichlicht und rücksichtslos auf ihre Good Vibes bestehen. Mimose, die ich bin! Da sah ich, dass ich dazu nicht fähig wäre, weil wir das einfach nicht gewöhnt sind. Das Elend, das denen widerfährt, die nicht an sich glauben und keine vibes haben, womöglich, und die daher in Armut und Hungersnöte versinken…. ;_) Ach, ich wollte es ja nur mal sagen. Ist auch kein Pessimismus. Is nur Mus. Mit goodvibe-himbeer. Und einer Alpaka-Wolldecke, hergestellt von Leuten, die nicht wissen, was vibes und alles und so sind.. und daher nicht in den Genuss einer solchen kommen können. Die müssen noch erst lernen, was das heißt, und einfach auf „Lerngeschenke“ (tolles neues Wort übrigens) aus der guten neuen Welt hoffen.. 😀

    Gefällt 1 Person

    1. Ich kann und möchte mir auch nicht alles reinziehen und ich bin da leider ein schlimmes Weichei. Vertrage nicht mal FSK16-Filme oder einen Tatort, das ist schon fast peinlich… aber nur fast. Habe mir das auch abgewöhnt, mich da abhärten zu wollen, es bringt nichts. Die letzte Doku, die ich mir unbedingt ansehen wollte („Gewalt im Lande Gandhis“) hat mich so runtergezogen, dass ich ein paar Tage gebraucht habe, ehe die seelische Großwetterlage wieder erträglich war. 😉 Hat aber für mich auch nichts mit einer „Good vibes“-Schleuder zu tun. Es gibt Menschen, die Gewalt in Wort und Bild besser ertragen können (für manche ist das Unterhaltung, für mich Horror… aber eben keiner, der unterhaltend wirkt) und andere reagieren da wesentlich sensibler drauf. Den optimalen Weg, damit umzugehen, habe ich aber für mich noch nicht gefunden. 😉

      Gefällt 1 Person

      1. 🙂 Das kann ich gut verstehen. Der Fotograf selber war hinterher eben auch irgendwie depressiv davon, trotzdem war es wohl gut, das zu machen,es müssen nur die richtigen Leute sehen, die die es angeht und die es verantworten müssen, leider ist das meistens nicht so und somit hat es wieder nur eine getroffen, die nichts verändern kann (ausser in meiner kleinen Welt voller Pessimismus, *scherz*), und ich bin auch nicht oft soo nah am Wasser, es war einfach einmal zu heftig. Aber es ist Realität und man kann zwar behaupten, dass einfach Bilder viel hinterlassen in einem, aber es ändert sich ja einfach nichts. Und ich kann damit kaum umgehen, daher erscheine ich sicher eher pessimistisch (wenn ich auch oft albern bin), nur weil ich auch von einer anderen Welt stamme zum Teil, kann es mich auch aus der ersten Reihe treffen, sozusagen. Ach und der sprach Französisch, was ich so gern höre, da musste ich einfach bleiben…
        Unterhaltung war es auch nicht, eher aufrüttelnd. Ich glaube, wenn ich das machen würde (Kriegsfotografin etc) würde ich nach einer Woche von der Ambulanz abgeholt und gezwungen werden, nie wieder zurückzukehren, so einen Aufstand würde ich evtl machen… lol. Ich kann immer noch über alles lachen, und sei es noch so düster, aber manchmal ist das auch nicht angebracht, die good vibes kämen da verdammt ungut. 🙂
        Ich war auch die einzige, die die Reportage über Tut-ench-Amun damals in der Schule nicht ertragen konnte, oder bei den Bildern über andere brutale Vorgänge (in Deutschland zB) den Raum verlassen hat… Mimose eben.
        Deine Texte machen aber echt irgendwie Mut, man kann Dich sehr gut lesen. 🙂

        Gefällt 1 Person

        1. Danke dir. Das ist ein richtig schönes Kompliment. ♥ Meine Überlebensstrategie war und ist es, aus (fast) jeder Situation etwas Komisches zu ziehen. Irgendwas. Und wenn es noch so winzig ist. Gebe aber zu, dass es mir manchmal erst im Nachhinein gelingt und zwar sehr viel später… aber immerhin. Weiß mittlerweile allerdings auch sehr viel besser, welche Situationen/Filme (was auch immer) einfach nicht gut für mich sind und setze mich dem nur aus, wenn ich einen wirklich guten Tag habe. Also, wenn’s möglich ist, man kann ja nicht immer kneifen. Aber sonst sage ich mir: Ich muss mich nicht selbst quälen, wenn es mir hinterher schlecht geht, kann ich keinem mehr helfen. Und wer mich leiden kann, der nimmt mich eben als das „Weichei“, das ich bin. 😉

          Gefällt 1 Person

  4. Herrlicher Text Anna. Ich hab viel geschmunzelt…. während ich bei Starbucks warte bis meine Blogfotos hochladen. Zu Hause kompletter Ausfall und ich hab gemerkt ohne Netz ist nix für mich. Nach einer Stunde wird mir im Glühwürmchen camp langweilig. Ist wie Strandurlaub, fast die Höchststrafe. Du musst Dich jetzt erholen und alles ist pink und schön und fluffig…. eine Stunde lang ist das gut. Dann muss ich weg 🙂
    Ahh fertisch 30 Minuten für 21 Bilder …. das hat was zen mäßiges… wenn ich nicht nebenher tippen würd;)
    Liebe Grüße Tina

    Gefällt 1 Person

    1. Ha, das gefällt mir. Ich möchte Posts mit Schmunzelfaktor schreiben. Ich möchte überhaupt ein Blog mit Schmunzelfaktor führen und dann nenne ich mich Elliot. Du bist bei Starbucks? Lass das nicht Beate lesen oder bist du nur da, weil du bei denen ins Netz gehst? Das unterstütze ich und Beate bestimmt auch. 😆

      Na ja, hin und wieder fluffig und pink ist ja klasse. Aber für mich muss das mit Hirn und Herz und ganz viel Selbstironie kombiniert werden, dann liebe ich es. Alles andere … brrr… Zuckerschock und Hirntod. 😉

      Lieben Gruß!

      Gefällt mir

      1. hihi das unterschreibe ich Elliot :)) Herz und Selbstironie kann ich gut, Hirn geht so 😉
        Psst nicht weitersagen mein Kaffee gestern war kostenlos, mein Geburtstagskaffee… hab die Goldkarte- Schäm mich auch ganz arg ;).. und juhu WLan geht wieder und zwar zu Hause! Netflix wartet schon auf mich!
        Schönes Wochenende, Anna…. la vie est belle ist übrigens angekommen 😉

        Gefällt 1 Person

  5. Boah – und das am Freitagabend, wo mein Gehirn eh nur noch auf halber Leistung läuft. Daher nur kurz:
    1.) wenn du das Beste aus dir noch nicht herausgeholt hast, ist es noch da.
    2.) das Cottage im Nüscht hat sicher Probleme mit der Heizung (und versuche mal, einen Handwerker dorthin zu bekommen)
    3.) es gibt keine Dorfsupermärkte (mehr), die Leute tüdeln alle mit ihren RAV4 in die nächste Kleinstadt oder lassen sich ihren Kram mitbringen.
    Übrigens sind amerikanische Serien komischerweise nicht ganz so graulig, wahrscheinlich weil das auf der anderen Seite vom großen Wasser stattfindet. Außer es ist Psycho – dann gehen die auch nicht und ich geh schlafen.

    Gefällt mir

    1. Boah – hallo?!? Der Post wurde an einem Freitagmorgen veröffentlicht und da kommst du abends lesen, wenn das Hirn nur noch auf Sparflamme läuft? Schuld eigene. 😂😂😂 Dennoch hast du etwas, wenn nicht sogar DAS Entscheidende geschrieben. Nämlich: Dass das Beste noch da ist. In mir. Was hättest du da wohl geschrieben, wenn du den Post heute Morgen gelesen hättest…hach… 😊

      Gefällt mir

  6. Das kann ja nix werden, wenn du dir die Biene Maja anguckst! Die ist schuld! Die ist nämlich im Grunde ihres Herzens ziemlich fies, vor allem zum Willi. Teletubbies. Das wäre der richtige Unterhaltungsstoff gewesen. Die sind wenigstens voller Liebe!
    Ich will so ein Zuckerwatte-good-vibes-Dings nicht. Denn letztendlich macht dieses „Alles Schlechte dieser Welt interessiert mich nicht“ einen nicht nur einsam, sondern zu einem krassen Egoisten. Oder zu einem Trump, der dem Rest der Welt erzählt, wie die Welt aus seiner Sicht funktioniert und alle, die anders denken, plattwalzt. Nein danke. Kein Leben für mich. Dann doch lieber gemischte Vibes und Spaß dabei 🙂
    Liebe Grüße
    Fran

    Gefällt 1 Person

    1. Na toll, jetzt habe ich gedanklich gerade zu einer ausführlichen Antwort angesetzt und dann merke ich, dass ich eigentlich nur schreiben kann, dass ich das unterschreibe, was du schreibst. 😎 Ein Hoch auf die gemischten Vibes. 😉

      Gefällt mir

  7. Nun, ich sag mal so: Ich wär ja auch eine derer, die sofort und ohne mit der Wimper zu zucken irgendwo an den Hintern der Welt ziehen würde, nur damit sie ENDLICH ihre Ruhe hat. Damit sie nicht täglich mit all dem konfrontiert wird, was auf dieser Welt so an Negativem passiert, welche Deppen ungehindert das Zepter schwingen und in einer schon hirnamputiert zu nennenden Art und Weise die Existenz des ganzen Planeten gefährden. Tatsachen die sie (nenn sie das Sensibelchen vom Dienst, nichtwahr?) echt auch mal richtig runterziehen können. Die ihr mitunter so richtig die gute Laune vermiesen und sogar Ängste aufsteigen lassen können, die man nicht einfach wegglimmern kann.
    Aber trotzdem wäre mein Anspruch doch, per WLAN mit dem Rest der Welt verbunden zu sein. Denn alleine schon sich mit andern Menschen aueinanderzusetzen, sich mit ihnen auszutauschen, das würde mir, trotz ansatzweise vorhandenen misanthropen Zügen, doch unglaublich fehlen. Und ich bin der Meinung, dass man sich informieren MUSS. Egal, wie schlecht das der eigenen Psyche unter Umständen bekommen kann. Nur wer informiert ist, wer sich auch mit Unangenehmem auseinadersetzt ist in der Lage mitzureden und gegebenfalls auch aktiv zu werden. Mir gehen Mitmenschen unsäglich auf den Senkel, die zu allem eine Meinung haben und die auch ungeniert in die Welt hinausposaunen, man aber bei jedem Satz feststellen muss, dass sie eigentlich keine Ahnung haben, wovon sie reden.
    Übrigens bin ich mir sehr sicher, dass man es niemalsnie schaffen wird, nur die guten Vibes an sich heranzulassen. Dafür sorgt schon das echte Leben. Nichtwahr?
    Hummelzherzensgrüsse!

    Gefällt 1 Person

    1. Na ja, unter uns: Ich würde auch sofort ins hinterletzte Eck ziehen, in dem ich mir einreden kann, dass die Welt ein Ponyhof ist. Sage ich jetzt. So aus einer Laune heraus. Wenn ich dann aber am Arsch der Welt sitzen würde, würde es mir wahrscheinlich auch nicht passen und nicht gut für mich sein. Merke gerade wieder extrem, dass es eine echte Gratwanderung ist zwischen dem, was gut für mich ist (manche Zustände/Menschen machen mich einfach todunglücklich und ziehen mich phasenweise auch übel runter) und dem, was zur persönlichen Weiterentwicklung beiträgt. Aber mich irgendwo nur noch hinter Büchern zu vergraben, ist sicher nicht der Weg der Wahl – auch wenn es an manchen Tagen echt verlockend ist. 😉

      Und ja, ich bin auch der Meinung, dass man sich informieren muss. Wobei ich mir auch die Freiheit gönne, zu manchen Themen schlicht keine Meinung zu haben, weil ich – ebenso wie du – Menschen ätzend finde, die – überspitzt formuliert – zu allem ne Meinung und von nichts ne Ahnung haben. Und ich glaube auch nicht, dass man nur die guten Vibes an sich ranlassen kann – zumindest nicht, wenn man nicht auf einem knallharten Ego-Trip ist. Die Kunst ist es, auch mit negativen Schwinungen umgehen zu können und sich von diesen Dementoren eben nicht runterziehen zu lassen… allerdings ist der Preis dafür echt hoch. Zu viele dieser Dementoren kann ich nicht um mich haben, aber wer kann das schon. 😆

      ❤ lichen Gruß, meine liebe Frau Hummel

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s