Un|Fair: Der Jeans-K(r)ampf

Ohne Jeans geht bei mir nicht viel bis gar nichts. Nachdem ich mich vor einiger Zeit allerdings intensiver mit ihrer Herstellung befasste, erhielt meine Jeansliebe einen gewaltigen Dämpfer. So gewaltig, dass ich mir nicht mal mehr neue kaufen wollte – was zum Glück auch nicht nötig war. Faire oder umweltvertägliche Herstellung? Im Himmel ist Jahrmarkt und Bangladesch ist überall. Da macht es leider auch keinen Unterschied, ob ihr zum 10€-Wegwerfartikel oder der edlen Labeljeans greift- in den Drecktümpeln hinter den Fabriken vereinen sich die Farb- und Giftstoffe von „billig“ und „edel“ und ich muss zugeben, dass mich das am meisten ärgert. Wenn ich für eine Jeans schon mehr bezahle, dann nicht, weil man ein tolles Label draufpappt, sie irgendwelchen VIPs über den Hintern streift und die Welt mit Werbekampagnen überrollt. Sondern weil sie so hergestellt wird, dass weder Mensch noch Umwelt darunter leiden müssen.

Die Jeans-Erleuchtungs-Theorie…

Gebe zu, dass mir die Jeans-Sache [anstelle von Jeans könnt ihr natürlich auch T-Shirt, Sweatshirt, Kleid oder andere Kleidungsstücke nach Belieben einsetzen] seither quer im Magen liegt. Nun bin ich ja ein Mensch, der gerne grübelt. So Elisabeth-Gilbert-Eat-Pray-Love-mäßig. Wie stellt der „normale Mensch“ einen Zusammenhang zwischen Jeans und idiotischer Grübelei … ähm… Sinnsuche her? Keine Ahnung, ich bin ja nicht normal, sondern ein bisschen verrückt. Habe daher im Rahmen einer Grübelphase meine eigene Jeans-Erleuchtungs-Theorie entwickelt und die besagt:

Solltest du dich allen Ernstes in einem Ashram oder Kloster verbuddeln wollen [nur theoretisch natürlich!], dann mach stattdessen lieber ein 14-tägiges Praktikum in einer chinesischen Jeansfabrik – alternativ in irgendeiner anderen armseligen Bekleidungsfabriken. Die Erleuchtung [Hey, dein Leben ist gar nicht so beschissen, wie du manchmal glaubst.  Das geht auch viel, viel, viel  schlimmer!] folgt auf dem Fuß und ein Taschengeld Lohn bekommst du auch noch obendrauf!

Alternative: Stell deine Jeans und die Restklamotten [natürlich inkl. der dafür nötigen Stoffe!] selbst her, dann hast du auch keine Zeit zum Grübeln und tust ein gutes Werk.

Der Mensch ist billiger als eine Maschine…

Wie kam es zu dieser Theorie? Auslöser war die Doku „Der Preis der Blue Jeans“ , in der lapidar festgestellt wurde, dass der Mensch – in diesem Fall ein chinesischer Fabrikarbeiter- nun mal billiger als eine Maschine ist. Ich würde noch hinzufügen: Abhängig von der Mentalität läuft der Mensch möglicherweise auch länger als die Maschine und außerdem kann er kostengünstiger ausgemustert werden. Tritt in den Allerwertesten, zack und weg isser. Für die Maschine fallen neben den Anschaffungs- halt auch Wartungs- und/oder Reparaturkosten an und Strom frisst sie auch. Bezweifele außerdem, dass eine Maschine 30 Tage/Monat und 16 Std/Tag läuft und das umgerechnet für einen Schlag ins Gesicht von ca. 150 Euro/Monat. Die Auftraggeber [ob Ramsch- oder stylishe Billigkette, ob Versandhaus oder High Fashion, es ist alles vertreten] zahlen um die 4€ pro Jeans [in Worten: vier] und überlegen schon, ob sie nicht doch besser nach Afrika weiterziehen sollen, weil ihnen die Chinesen und auch die Inder langsam zu teuer werden.

Jeans brauchen Wasser. Viel Wasser. Das findet man in… Afrika.

Jeansproduktion in Afrika – klingt ähnlich absurd wie meine Jeans-Erleuchtungstheorie, finde ich. Aber was weiß ich schon… Andere wissen da mehr. Nämlich: Für die Herstellung einer Jeans wird Wasser benötigt. Viel Wasser. Je nach Quelle ist von 6000 – 12.000 l Wasser die Rede – pro Jeans. [1],[2],[3]. Dem gegenüber stehen 750 Millionen Menschen weltweit, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Und wie man nun auf die Idee kommt, Jeans ausgerechnet in Afrika herstellen zu wollen, zumal es da nicht nur ein Trinkwasser-, sondern auch ein  Abwasserproblem gibt – erschließt sich mir nicht … vielleicht zu lange die eigenen Farbdämpfe eingeatmet oder in den fabrikeigenen Drecktümpel gefallen? Man weiß es nicht…

Der Rote Teppich wird jetzt grün…

Hüpfen wir mal kurz an einen glamouröseren Ort. Nämlich auf den Red Carpet. Wobei ich gestehen muss, dass mich das, was auf den Roten Teppichen dieser Welt abgeht, eigentlich kalt lässt – es sei denn, Livia Firth taucht auf. Dass Colin Firth ein toller Schauspieler ist, wusste ich ja. Aber dass er eine so tolle Frau hat, wusste ich bisher noch nicht. Livia Firth setzt sich nicht nur medienwirksam für Nachhaltigkeit ein, indem sie zur Filmpremiere „The King’s Speech“ in einem aus dem Anzug ihres Mannes recycelten Outfit erscheint und fortan die Roten Teppiche ergrünen lässt, indem sie nur noch im ethisch korrekten Outfit erscheint. Sie reist auch nach Bangladesch und schaut sich in den „Sweatshops“ an, unter welchen Bedingungen die Näherinnen dort arbeiten. Herausgekommen ist „The True Cost“  – Der wahre Preis unserer Kleidung“ [Klick zum Trailer]. Möglicherweise sind Filme wie diese (oder alleine schon die Trailer) wirksamer als jedes Minimalismus-Buch, das uns zu bewusstem Konsum bewegen möchte. Livia Firth sagte nach ihrem Einblick in die „Sweatshops“: „Danach kannst du definitiv nicht einfach nach Hause kommen und zur Tagesordnung übergehen.“ Mir selbst geht es schon nach dem Anschauen des Trailers so.

Neue Jeans gefällig? Gerne. Die muss aber alt aussehen…

Ebenfalls zu denken gab mir das, was ein in der Doku „Der Preis der Blue Jeans“ zu Wort kommender Designer sagte. Sinngemäß: „Der Kunde kauft ständig neue Jeans – die allerdings trägt er nicht lange. Wichtig ist, dass die neue Jeans möglichst alt aussieht.“ Da sehe ich mit meinem Faible für Used-Jeans wohl ganz schön alt aus. Vielleicht wäre es Zeit, den Used-Look mal neu zu interpretieren und der Wegwerfmentalität, die sich durch alle Lebens- und Konsumbereiche zieht, zu trotzen. Mitmachen kann übrigens jeder und im Jeans-Fall ist es auch ganz leicht: Einfach die alte Jeans so lange tragen, bis sie wirklich alt aussieht und nicht gleich die nächste neue Used-Jeans kaufen. Oder in einem der zahlreichen Secondhandshops im Netz vorbeischauen. Dort gibt’s übrigens nicht nur Jeans… 😉

 

[Re-Post, der erstmals auf Weib and the City erschien.]

Infos & Leseklicks: 

 

Fotocredits: Beitragsbild pixabay/Free-Fotos, privat 

24 Kommentare zu „Un|Fair: Der Jeans-K(r)ampf

  1. Danke sehr für diesen Post, liebe Anna! Man kann nämlich gar nicht oft genug hinter die Kulissen schauen und sich ernsthaft darum kümmern, wo Produkte herkommen und unter welchen Bedingungen sie produziert wurden! Gerade auch in der Bekleidungsindustrie gäbe es so viel Potenzial…. Wir alle brauchen Klamotten, darum ist dieser Wirtschaftszweig ein unglaublich rentabler. Das verleitet natürlich dazu, immer noch mehr Gewinn generieren zu wollen, indem man die Herstellungskosten senkt und so die Verdienstspanne ausbaut. Egal, auf wessen Kosten das schlussendlich geht. Natur und Menschenrechte spielen da viel zu oft keine bis eine höchstens untergeordnete Rolle, Hauptsache die Kassen klingeln.
    Meiner Meinung nach hat der Konsument ganz viele Fäden in der Hand. Wären wir alle bereit, unsere Kleidung länger zu tragen, also nicht jeden letzten Modeschrei mitzumachen, und für Neuanschaffungen auch MEHR GELD AUSZUGEBEN, das dann aber kontrolliert für die Löhne der Angestellten in den Fabriken und für den Umweltschutz eingesetzt werden würde, dann wäre schon enorm viel getan. Allerdings setzt das voraus, dass es diesbezüglich greifende Gesetze und eine kontrollierende Behörde geben würde, die dann aber nicht korrumpierbar wäre. Alleine das aber ist schon ein Wunschgedanke, und solange viele Menschen weiterhin für möglichst wenig Geld möglichst viel Plunder kaufen wollen, sind wir noch Lichtjahre von einer Verbesserung der Zustände entfernt!
    Ich mir stiegen früher, als ich noch ab und zu shoppen ging ;oD , regelmässig Aggressionen auf wenn ich mitbekam, wie sich Schnäppchenjäger im Sale gierig auf reduzierte Ware stürzten, und diese Gefühlsregung verstärkte sich noch angesichts der hinterher achtlos auf den Boden geschmissenen Klamotten. Das alleine drückt eigentlich schon aus, wie wenig wir Bekleidung wertschätzen. Wie wenig wir sowieso alle unsere Gebrauchsgegenstände wertschätzen, in Zeiten, in denen man eine ausgeprägte Ex-und-Hopp-Mentalität pflegt. Denn es ist ja alles zu jeder Zeit in Massen verfügbar- wieso also sollte man Sorge tragen dazu?
    Gestern erst hab ich im TV eine Sendung gesehen, in der es um den Klimawandel ging. (Der ja, wollen wir gewissen Menschen auf dieser Welt Glauben schenken, sowieso nichts als reine Angstmacherei und eine Erfindung irgendwelcher durchgeknallter Wissenschaftler ist, nichtwahr?? :o/ ) Diese Reportage zeichnete ein Schauerszenario. Wenn wir so weitermachen wie bisher wird es in den kommenden paar Jahrzehnten zu katastrophalen Dürreperioden kommen. Und nein, die werden nicht in altbekannten Wüstengebieten dieser Erde stattfinden, sondern z.B. in Californien oder Texas. Und in anderen Gebieten dieser Erde, die jetzt noch grün und ertragreich und mit grossen Wasservorkommen sind.
    Ich weiss nicht, wie abgestumpft die Menschheit eigentlich ist. Alle Alarmglocken schrillen, aber keiner will sie hören. Wird schon nichts passieren, nichtwahr?
    Daher bin ich echt froh um jeden, der in irgendeiner Form was tut. Der seinen Konsum kontrolliert, der hinterfragt und seine Konsequenzen zieht. Ich finde es einfach Klasse, dass es immer mehr Firmen gibt, die grossen Wert auf Nachhaltigkeit legen. Und dass es ausserdem VIPs gibt, die sich für Umwelt- und Tierschutz und für Menschenrechte einsetzen. Die ihre Publizität dafür nutzen, andere Menschen für solche Probleme zu sensibilisieren.
    Und dass, notabene, auch Blogger sich diesen Themen widmen! ;oD
    Nein, ich gebe die Hoffnung nicht auf. Und deshalb gehe ich meinen eingeschlagenen Weg stur weiter, auch wenn man sich damit nicht in jedem Fall Freunde macht……
    Frohen Sonntag und ganz herzliche Grüsse!
    PS: ….. und vielen Dank für’s Erwähnen meines Blogs! Hab mich sehr gefreut! Wer weiss, vielleicht kann ich den einen oder andern Leser meiner Posts ein wenig „anfixen“? ;oD

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    1. Ich scheue mich ja gelegentlich, solche Themen anzupacken, weil ich denke, wer bin ich denn, dass ich das verblogge? Ich bin selbst kein besonders gutes Vorbild und ärgere mich sehr, dass ich – wenn ich neue Klamotten „brauche“ (*hust* oder manchmal auch einfach nur haben möchte) immer noch automatisch zuerst in meinen favorisierten Shops schaue. Andererseits habe ich jetzt bewusst in der Sidebar erwähnt, dass es sich hier um mein virtuelles Notizbuch handelt und bei diesem Post handelt es sich gewissermaßen und einen Gedankenanstoß plus Linksammlung, der man sich bei Bedarf näher widmen kann. Also auch ich – wenn ich neue Klamotten brauche und ich meine wirklich: brauchen. Dieses „Shopping aus Langeweile oder zum Zeitvertreib“ ist mir persönlich mittlerweile echt zuwider und diese Gleichförmigkeit der Shops langweilt mich.

      Muss dir allerdings auch gestehen, dass ich erst überlegt habe, ob ich den Post hier rüberziehe. Nicht, weil er nicht wichtig ist oder mir das Thema nicht am Herzen liegt. Mittlerweile tun sich aber auch hier echte Abgründe auf und mir kam ein interessanter Artikel unter (leider vergessen, wo das war und wer es geschrieben hat), der schön auf den Punkt brachte, wie schräg wir mittlerweile drauf sind. Gut, die einen scheren sich nen Dreck um Umwelt und Arbeitsbedingungen, die anderen allerdings wenden viel Geld für fairen Kaffee u. korrekte Klamotten auf, blenden aber völlig aus, wie hier (nicht nur) mit Niedriglöhnern umgegangen wird. Es gibt einfach so verdammt viele Baustellen und das finde ich echt ernüchternd. Andererseits ist es vielleicht schon mal ein guter Anfang, wenn sich jeder eine kleine Sache rauspickt, die die Welt ein bisschen netter macht. 😉

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      1. Nein, Anna, bitte keine Scheu! Das ist es doch, was ich meine: Alleine die Tatsache, dass man sich Gedanken macht, die ist äusserst wertvoll! Und jeder kleine Schritt ist grossartig, vor allem dann, wenn ihn möglichst viele Menschen tun. Was glaubst du, wie oft ich mich über mich selber ärgere, weil ich mal wieder irgendwas verdaddelt hab: Bio-Blätterteig gekauft und nicht gemerkt, dass es da Palmöl drinhat. Okay, „nachhaltiges“, zumindest. Aber das reicht mir dann auch nicht! Und immer wieder frage ich mich, ob ich wirklich ein Auto brauche. Ja, brauche ich. Auf dem Land bist du einfach sonst am A…BC der Welt, wenn du keines hast und jeden Tag zur Arbeit musst. Auf einer Strecke, auf der der Bus alle Schaltjahre mal fährt. Oder Mietzchenfutter. Ich hab bis jetzt keines in Bioqualität und ohne Plasticbeutelverpackung entdeckt. Und wenn ich es denn finden würde: Kann ich mir das für so viele Mietzchen leisten?? Okay, wir sammeln die Verpackungen und bringen sie auf den Ökohof. Trotzdem. So richtig zufriedenstellend ist das nicht.
        Undsoweiterundsofort……
        Aber dranbleiben ist das Thema! Auch wenn ich, wie du, immer mal wieder den Koller kriege, weil das alles so unglaublich komplex ist und irgendwie niemals ein grosser Erfolg, geschweige denn jemals ein Ende des Dramas in Sicht ist. Aber ich halte mir immer wieder dieses Bild vom kleinen Kieselstein vor Augen, den man ins Wasser schmeisst und der dann immer grössere Kreise zieht. Das motiviert mich jedes Mal und wischt Zweifel weg. Und du pickst dir einfach ab und zu was raus, das du ändern kannst und gut gebacken kriegst. Und freust dich dann, bitteschön, drüber, und du darfst dann auch ein bisschen Stolz auf dich sein! ;oD
        Man darf sich einfach nicht selber überfordern, denn dann wird man der Sache schnell überdrüssig. Aber mit der Zeit, das kann ich dir garantieren, entwickelt man eine richtige Freude am Ganzen, es kommt eines zum andern, und ein richtig gutes Gefühl stellt sich ein! Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, nichtwahr?? ;oD

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        1. Genau so wie Frau Hummel schreibt, sei stolz wenn du was anpackst und
          es geändert bekommst!
          Alles perfekt machen geht nicht und muss auch nicht, Schritt für Schritt ist der Weg
          und den darf und muss man auch einfach schreiben dürfen.

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        2. Mit Rom fängste mich ja immer, Frau Hummel, und ich denke auch, dass es die Politik der kleinen Schritte ist, die zählt – denn niemand von uns kann im Alleingang die Welt retten. Und manchmal ist der erste Schritt vielleicht (auch nur) der, erstmal vom hirnlosen Konsumieren wegzukommen… über den Tellerrand zu schauen (wohin und wie weit auch immer) und mal gesunden Menschenverstand walten zu lassen und ein bisschen Empathie an den Tag zu legen. Irgendeine kleine Sache kann sich jeder rauspicken und wenn du die verinnerlicht hast, suchst du dir eine zweite – ich bin ja tatsächlich fest davon überzeugt, dass jeder die Welt ein wenig besser machen kann oder auch „nur“ sein persönliches Umfeld. Und was deine Texte angeht: Da triffst du genau den richtigen Ton, finde ich. 😉 Ich persönlich bin bei „solchen“ Themen raus, wenn mir nur wieder eine andere Art von Lifestyle verkauft werden soll und/oder wenn ohnehin alles „schlimm und randvoll mit bösen Schadstoffen ist“. Dann denke ich mir nämlich: Ja gut, da wir ohnehin bald alle sterben müssen, möchte ich’s bis dahin so schön wie möglich haben… Die mit der Brechstange servierte Botschaft erreicht mich also definitiv nicht und ich denke, das geht nicht nur mir so… 😉

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  2. Moin Anna 🙂
    ganz wichtiger Artikel den du geschrieben hast!
    Da kann man gar nicht oft genug drauf aufmerksam machen, wie beschissen dieser Konsumklamottenkaufwahn eigentlich ist. Es ist so erschreckend wenn man z.B.wieder mal sieht im Fernsehen wie bei diesem Klamottenbillig Riesen mit dem W die Menschen Säckeweise Klamotten rausschleppen und wenn sie dann gefragt werden ob sie das denn wirklich brauchen, ist die Antwort: „Ich trag das nur einmal und dann schmeiß ich das weg, das war so schön billig deshalb hab ich gleich mehr genommen, anprobieren brauch ich nicht ist ja billig wenns nicht passt schmeiß ich es weg.“ Bei solchen Aussagen werde ich TRAURIG WÜTEND FASSUNGSLOS!!! Ich möchte dann die Leute schütteln und sie höchstpersönlich in die Fabriken stecken damit sie selbst am eigenen Leib erfahren wie mies die Bedingungen in der Bekleidungs- und Schuhproduktion sind. Dann würde sich ihr Blick und die Wertschätzung auf die Dinge die sie Konsumieren und Besitzen vielleicht ändern.
    Hoffnung habe ich ja noch das sich mal was ändern wird, aber ehrlich gesagt sind meine Zweifel größer 😦
    Nichts desto trotz verfolge ich weiter das Ziel andere davon zu Überzeugen durch vormachen, das es eben auch anders geht. Klamotten kaufen? Nur wenn etwas absolut nicht mehr zu reparieren ist und durch kein anderes vorhandenes Stück ersetzt werden kann, ich habe genug Zeug zum anziehen und vieles ist davon schon bis zu 20 Jahre alt 🙂 Ich bin für die Konsumwelt echt ein ganz mieser Konsument *gg… ich brauch nämlich (fast) nix ich bin zufrieden mit dem was ich habe und das behandele ich sorgfältig damit es laaaaaage hält 🙂

    Hab noch einen schönen Sonntag liebe Anna
    liebe Grüße
    Aurelia

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    1. Diese „Es ist billig/umsonst, also nehme ich’s erstmal mit“-Mentalität war noch nie mein Ding. Noch nie. Ich lege mir das zu, was ich haben möchte (wenn ich es mir leisten kann) – Ende. Allerdings habe ich mir diese Einstellung auch erst im Lauf der Jahre angeeignet. Früher war es mein liebstes Hobby, durch die Shoppingcenter zu ziehen – heute musst du mich da reinzerren. Früher habe ich mir auch Shirts gekauft nach dem Motto „War ein Schnäppchen, habe ich eben ein paar mehr mitgenommen“. Heute kaufe ich mir – meistens – das, was ich brauche. Der Rest ist mir egal. Nun sind mir Klamotten auch nicht egal, ich mache mir schon Gedanken über das, was ich anziehe, aber ich gehöre auch nicht zu denen, die sich ständig in Modezeitschriften/Blogs versenken und da wahnsinnig kreativ sind. Ich muss mich wohlfühlen in meinen Klamotten und sie müssen zu mir passen – und da ich selbst ungerne im Mittelpunkt stehe, erklärt es sich von selbst, dass ich mich auch eher zurückhaltend kleide. *g* Und wenn du eben mal einen Blick hinter die Kulissen wirfst (und sei es nur via Doku), dann hast du auf hirnloses Shopping auch keine Lust mehr. 😉

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  3. Ein Problem der Konsumgesellschaft, das nicht gesehen werden möchte von vielen oder gar den meisten? Ich habe Leute erlebt, die sich jedes Wochenende Essen gehen und Alk und Feiern leisten konnten, aber wenn es um Umweltschutz ging und darum, kein T-Shirt für zwei Euro zu kaufen, dann waren die ja sowas von arm und mit entsetztem Gesicht riefen die dann „aber das Geld hab ich nicht“ aus. Eine Schande ist das. Wenn ich, die echt wenig hat, zumindest in kleinen Dingen drauf achten kann, dann soll jemand, der im Monat 2000 Euro netto verdient (und das nicht als Alleinverdiener!) das Geld für ein fair produziertes T-Shirt nicht haben? Da lachen ja die Hühner. Aber die Menschen sind faul und gierig und das kostet den Planeten jegliche Ressourcen.

    Umso wichtiger ist es, dass man immer mal wieder drauf aufmerksam macht und quasi von allen Seiten mal das schlechte Gewissen auch befeuert, denn anders ist manchen Leuten nicht mehr bei zu kommen.

    Livia Firth ist toll, ich will aber immernoch Jools Oliver werden im nächsten Leben (wobei, wenn ich Colin Firth anstatt Jamie Oliver haben könnte, ja, das wäre eine Option *grins*) Sorry, dass ich in so einem ernsten Thema herumflachse, aber ich konnte gerade nicht anders.

    Liebe Grüsse
    Clara

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    1. Ich bin mir nicht sicher, ob es so sinnvoll ist, das schlechte Gewissen zu befeuern. Manche, die eigentlich eine wirklich gute Sache vertreten, sind so dogmatisch unterwegs, dass es echt abstoßend ist. Da mache sogar ich dicht und das will was heißen, weil ich es durchaus verstehe, wenn man seine „gute Sache“ mit missionarischem Eifer vertritt. Aber mit einem erhobenen Zeigefinger – so zumindest meine Erfahrung – kommt man einfach nicht weiter. Und darum lese ich ja so gerne bei Frau Hummel mit – die bringt wichtige Themen mit einer beneidenswerten Leichtigkeit unters Lesevolk, das ist genau mein Ding. 😉

      Und darum darfst du bei so einem Thema natürlich auch rumflachsen – bei mir darf immer rumgeflachst werden. *g* Das Leben ist schon ernst genug, ich bin sehr dafür, dass man es ein bisschen leichter nimmt. ;))

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      1. @Clara: Den Spass an der ganzen Sache zu behalten ist SEHR wichtig! Denn wenn man verbissen und dogmatisch ans Werk geht nimmt man irgendwann sich selber und vor allem aber auch den Menschen um einem rum jeden Elan aus den Segeln. Man kommt dann wirklich sehr missionarisch rüber, und das dient der Sache keineswegs! ;oD
        @Anna: Oh Gott *blush*…….Vielen Dank für dieses tolle Kompliment! 💋 Aber ich musste grad grinsen: Wenn du wüsstest, wie lange ich manchmal an meinen Texten rumfeile- das ist oft echt ein Krampf! Gut allerdings, wenn sie dann doch auf eine Art und Weise beim Leser ankommen, wie das bei dir der Fall zu sein scheint. Denn ich frage mich tatsächlich manchmal, ob ich mich nicht zu oft solchen Themen widme und ziemlich straight bin in der Art, wie ich sie
        vermittle…… ;oD

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        1. Na, so war das von mir auch nicht gemeint mit dem schlechten Gewissen – ich glaube, ich bin der letzte Mensch, der missionarisch unterwegs wäre und verbissen schon zweimal nicht. Aber klare Worte finden und Denkanstösse geben, das finde ich sehr wichtig. Und wenn dann deren Gewissen sich mal regt, dann finde ich das mehr als in Ordnung.

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  4. anna – den artikel kann man gar nicht oft genug veröffentlichen!!!!!
    meine letzte jeans war tatsächlich noch „made in usa“ – zwar sicher auch von illegalen einwanderern für billiglohn genäht – aber gegen das, was jetzt in der 3.welt abgeht wahrscheinlich „fair trade“……
    letztens kam was über turnschuhe – äh „sneakers“. ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte.
    eigentlich möchte ich jedem, der so verliebt in jeans ist, mal einen kurs geben, die dinger selbst zu nähen – das wäre ein spass. hinterher sind die gelnägel ruiniert, die fingerchen zerstochen und verrenkt – vom rücken gar nicht zu reden. eine jeans ist nämlich in jeder hinsicht das bizarrste kleidungsstück was das verhältnis von aufwand und nutzen betrifft!
    dekadenz im negativsten sinne!!
    dir trotzdem ´ne gute woche ;-D
    xxxx

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    1. Siehste, und darum ist der Kauf einer Jeans für für mich nie etwas, was ich mal eben übers Knie breche. Ich suche ewig, bis eine Jeans den Zuschlag bekommt (geht mir bei anderen Kleidungsstücken/Schuhen allerdings mittlerweile ähnlich) und zwar deshalb, weil ich weiß, dass ich dieses Teil lange tragen werde. Sehr lange (auch wenn es zwischendurch vielleicht mal länger im Schrank pausiert) und mitunter so lange, dass ich nicht sofort in den Laden rennen muss, um mir „das In-Teil“ aka Bootcut-Jeans zu kaufen… die habe ich nämlich noch im Schrank. Die Vorstellung, mir Klamotten zu kaufen, die in der nächsten Saison entsorgt werden müssen… nee… nichts für mich. Das ist irre und krank…

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      1. sehr schlau die boot-cut aufzuheben! das ideal ist ja ein „zeitloser“ kleiderschrank(inhalt) – mit ein paar kniffen auf modische raffinesse getrimmt. früher gab es ganze bücher darüber wie man seine begrenzte garderobe lang haltbar und mit accessoires wandelbar macht – als textilien noch viel geld kosteten und zum TRAGEN hergestellt wurden – statt ausschliesslich zur gewinnmaximierung……..
        xxxx

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        1. Da bringst du mich auf eine schöne Post-Idee. Habe nämlich ein Buch hier, das in der OV 1937 veröffentlicht wurde und sich genau dem widmet, was du beschreibst. Und ich finde es aktueller denn je. 😉

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  5. Zum Glück gibt es noch andere Hosen, die kleidsam sind 🙂
    Übrigens ist es ein Gerücht, dass Amerikaner viel Jeans tragen, Im Gegenteil. Dort ist es eher eine Arbeitshose, für Frauen übrigens gar nicht so einfach zu bekommen. Die Jeansdichte in Europa (Schwerpunkt Deutschland) ist erheblich höher. Zumindest in meiner Beobachtung.

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    1. Ich liebe (meine) Jeans ja sehr und möchte da derzeit auch nicht drauf verzichten. Vor dem nächsten Kauf werde ich allerdings nochmal diesen Post lesen und die verlinkten Seiten besuchen.

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