Fabelhaft…

Es gibt Menschen, die sich unglaublich gut verkaufen können. So gut, dass ich stets vor Neid erblasse. Einmal im Leben so lässig mit Blendgranaten hantieren können, das wär’s. Aber leider ist mir das nicht gegeben – bis jetzt. Denn im Rahmen meines Ja-Experiments sehe ich mich gezwungen, neue Wege zu gehen. Weil mich die alten Wege nicht dorthin geführt haben, wohin ich möchte.

Was natürlich auch daran liegen könnte, dass ich stets nur so eine vage Vorstellung von dem hatte, was ich denn gerne machen würde… aber das würde jetzt zu weit führen und vor allem zu tief in seelische Abgründe, die… äh… ich ja gar nicht besitze. Ich lerne verdammt schnell, seht ihr? Na wie auch immer: Ich bin fest davon überzeugt, dass ich heute anderswo wäre, wenn ich gewusst hätte, was ich wollte immer mal wieder mit ein paar hübschen Blendgranaten jongliert hätte – schon alleine aufgrund der self-fulfilling prophecy. Denn es ist doch so: Erst würde ich mich selbst von meiner eigenen Großartigkeit überzeugen [Meine Güte, was bin ich doch für ein großartiges kleines Ding, ich könnte mich glatt in mich selbst verlieben…] und dann würde auch der Rest der Welt bemerken, wen sie da vor sich hat. Wat’n Glück, dass es nie zu spät ist, um den Kurs zu korrigieren und den souveränen Umgang mit Blendgranaten de luxe, Modell „Fabelhafte Diva“ [INCIs u.a.: Glitzer, Sternenstaub, Einhornpupse und Fliederduft] zu erlernen.

Meine erste Vernebelungs-Übungsspielwiese wären Zahlen. Alle Zahlen – schnurzpiepegal, in welchem Zusammenhang sie in mein Leben poltern. Die Wahrheit ist leider die, dass Zahlen und ich eine wahrhaft chaotische Beziehung miteinander führen. Ich finde sie abstrakt und wenig greifbar und sie sind beleidigt, dass ich sie nicht mit dem gebührenden Respekt behandele und dass sie mir so wenig bedeuten. Sobald mein Hirn mit Zahlen konfrontiert wird, macht es dicht und das ist nur bedingt witzig. Ohne meinen Taschenrechner bin ich aufgeschmissen und ich käme nie auf die Idee, zum Einkaufen Fäustlinge zu tragen. Darüber hinaus vergesse ich – je nach Tagesform und Stresslevel – Kontostand, Preise, Telefonnummern [Notiz am Rande: meine eigene Handynummer hatte ich noch nie im Kopf, warum auch?! Ich rufe mich ohnehin nie an…], Hausnummern, Postleitzahlen und Geburtstage. Und wenn wir schon dabei sind: Auch Feiertage haben für mich keine wirkliche Bedeutung – es sind nur mit einem Datum versehene Tage. Wenn ich Lust darauf habe, „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ oder eine andere Weihnachtsschmonzette anzuschauen, dann mache ich das und es ist mir völlig wurscht, ob wir gerade Mitte Oktober oder Ende April haben.

Es ist also nur konsequent, dass ich andauernd phasenweise mein Alter vergesse. Oder mich zumindest nur vage daran erinnere und mich dann versehentlich jünger mache, wenn man mich mit dieser blöden „Wie alt bist’n du“-Frage auf dem falschen Fuß erwischt – Kunststück, da gibt’s ja keinen richtigen Fuß. Der Fauxpas wird mir, wenn überhaupt, erst nach einer Schrecksekunde bewusst. Da ich aber eh ein wenig jünger geschätzt werde und mich zudem glücklicherweise auch nur um 2-3 Jahre vertue direkt nach dem Geburtstag sind es meistens drei Jahre, weil meine persönliche Zeitrechnung ca. ein halbes Jahr hinterherhinkt, fällt das niemandem auf. Im Zweifelsfall nicht mal mir selbst.

Könnte mir jetzt selbstverständlich Gedanken darüber machen, warum ich in diesem Bereich so absurd unterbelichtet bin und auch recht wenig Energie darauf verwende, das zu ändern. Ich könnte mir stattdessen aber auch einfach ein Beispiel an echten Diven nehmen. Die machen aus ihrem wahren Alter stets ein Geheimnis, wie sich das nun mal gehört. Für eine echte Diva. Habe mir daher überlegt, meine Zahlenschwäche ein wenig … zu meinen Gunsten zu frisieren. „Habe ich vergessen“ hört sich nach Dussel an. Wie viel besser kling doch „Das verrate ich dir nicht“ [weil ich’s vergessen habe und deshalb nichts sagen kann, aber das muss ich dir ja nicht auf die Nase binden]. Vergessen ist was für Dussel, Variante Nr. 2 hingegen hat was von Diva und ich wähle, dusselig wie ich bin, die Diva.

Und wenn wir schon dabei sind: Mein introvertiertes Wesen könnte ich auch mal besser verkaufen. Ich finde es doch selbst höchst spannend, wenn es bei einem Menschen noch einiges zu entdecken gibt und er mir nicht gleich sein gesamtes Innenleben auf dem Silbertablett präsentiert. Wie komme ich also auf das schmale Brett, dass ich selbst zu verstockt schweigsam bin, nur weil ich gewisse Dinge für mich behalte? Gibt doch überhaupt keinen Grund dafür, mich über verschiedene Posts hinaus ohne Not komplett nackig zu machen. Und außerdem bin ich nicht introvertiert und schüchtern, sondern zurückhaltend geheimnisvoll. Und somit lautet meine Devise ab sofort: Ich bin Anna – und ich bin ein durchgeknalltes kleines Ding fabelhaft. Die Wirklichkeit wird mich schon noch früh genug einholen, das hat die Wirklichkeit so an sich. Möge sie dann bitte Glitzer, Sternenstaub, Einhornpupse und Fliederduft im Gepäck haben, damit die Bruchlandung nicht allzu hart wird. So ein filigranes Krönchen geht doch so leicht kaputt… 😉

 

[Das war, inspiriert vom Muschelmädchen,  ein Post aus der Konserve, seht’s mir nach.
Aber die Tastatur hakt gerade ein wenig.]

Fotocredits: Beitragsbild pixabay/cocoparisienne

31 Kommentare zu „Fabelhaft…

    1. Weißt du, was mich wirklich fertig macht? So richtig? Dass es Menschen gibt, die mit Zahlen UND Buchstaben gleichermaßen genial jonglieren können! Ich meine, wie ungerecht ist das denn?! Bisher habe ich mir immer eingeredet, dass ich dafür besser mit Buchstaben kann und dass man eben nicht Zahlen- u. Buchstabenmensch gleichermaßen sein kann. Für’n Ar… Eimer. 😆

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      1. Ja, danke dir! Und für mich gibt es ja in dem Sinn kein „falsch“. Nicht mal den Blickwinkel auf sich selbst. Überhaupt eine Haltung / einen Blickwinkel einzunehmen … das hat was!

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  1. Mein Alter kriege ich gerade noch so auf die Reihe. Meistens. Manchmal mache ich mich ein Jahr älter. Ich hätte aber auch gern ein gerade Geburtsjahr gehabt, das rechnet sich leichter. Zur Not rufe ich meine Schwester an und addiere ein Jahr drauf 🙂 Nenn mich Fuchs!
    Das mit dem Blendgranaten-Handwerk, das wird mein #goal für das nächste Jahr, glaube ich. Irgendwelche Ziele muss man ja haben!
    Liebe Grüße
    Fran

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  2. Ach. Mach dir mal keine Sorgen wegen der paar Zahlen, die du dann und wann durcheinanderbringst! Solltest mal sehen, was bei mir manchmal abgeht….Ich warte auf den Moment wo einer seine Schlüsse aus meinem seltsamen Verhalten zieht und den psychiatrischen Notdienst alarmiert. In diesem Zustand wechseln sich Wortfindungsstörungen fröhlich mit der Tatsache ab, dass ich nicht weiss welchen Tag wir grade haben und werden ergänzt durch stupides in-die-Welt-gucken. Immer dann nämlich wenn ich mich eben in Bewegung gesetzt habe, um irgendwas zu erledigen, und dann nach kaum 2 Schritten abrupt stehenzubleibe, weil ich mich ums Verwürgen nicht erinnern kann, was das sein sollte……
    Übel. Ganz übel. Aber fortschreitendes Alter hat den angenehmen Effekt (zumindest bei mir), dass man sich ein gutes Mass an Gelassenheit angeeignet hat. Die lässt einem dann milde lächelnd über die eigenen Unzulänglichkeiten hinwegsehen…… Bleibt nur zu hoffen, dass die Intervalle zwischen geistiger Umnachtung und der Anwesenheit eines messerscharfen Geistes nicht immer kürzer werden…… :oD
    Bleibt der kleine Trost, dass ich in wachen Phasen sehr gut mit Zahlen UND Buchstaben kann……. *gggg*
    Frohes WE, liebe Grüsse!!

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    1. *muahaha* Ach Frau Hummel, du bist großartig. Diese Tage, an denen ich vergessen habe, welchen Tag wir haben, kenne ich – kommen aber sehr selten vor. Hin und wieder gibt es auch mal einen Morgen, an dem ich völlig von der Rolle aufwache. Weder weiß ich, welchen Tag wir haben (was blöd ist, wenn es kein Wochenende ist) noch weiß ich, wo ich gerade bin… als ob ich jeden Morgen in einem anderen Bett aufwachen würde… 😛

      Der Wechsel zwischen geistiger Umnachtung und messerscharfem Geist… ja… ich sag’s mal so: Wenn das „da oben“ nur ein einziges schwarzes Loch ist, dann weißt du deine lichten Momente ja so unglaublich zu schätzen. Ich bin dann immer von mir selbst begeistert,weil das die Momente sind, die mir zeigen, dass doch noch nicht Hopfen und Malz verloren ist. 😉

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    1. Na toll. Jetzt habe ich vergessen, was ich schreiben wollte – auf jeden Fall irgendwas à la „Stell dein Licht nicht so unter den Scheffel, in einigen Punkten möchte ich mir von dir ne Scheibe abschneiden“. Aber die Vorstellung, dass man dieses Blendwerk irgendwo kaufen könnte… da habe ich spontan den Laden der Weasley-Zwillinge in der Winkelgasse vor Augen. Wie soll ich so arbeiten, wenn ich mit dem Kopf in der Winkelgasse stecke?! Mannmannmann…

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  3. Zahlen? Iiiiiihhhh geh weg damit, ganz böses Zeug /o\ außer ich brauch sie für den täglichen Gebrauch da komm ich mit ihnen gut zurecht, aber wehe es wird komplex wie zu Schulzeiten, ganz schlechte Erinnerungen 🙄
    Aber wer braucht auch schon Zahlen wenn er mit Buchstaben jonglieren kann 🙂
    Liebe Grüße
    Aurelia

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    1. Ich habe schon im täglichen Gebrauch Probleme. Nicht witzig, ich sag’s dir. Und auch mit Zahlen sollte man ein bisschen jonglieren können (und ich rede nicht von kreativer Buchführung), sonst wird die Bruchlandung übel…

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    1. Witzigerweise waren meine Mathenoten nicht so übel (okay,Schulabgang nach der 10.Klasse, damit kannst du auch keinen Blumentopf gewinnen)und auf dem OSZ Gesundheit hatte ich im Rechnungswesen sogar eine 2. Der Junior hat Tränen gelacht, als ich ihm mein Abschlusszeugnis gezeigt habe, der weiß ja, was für einen Schei**ich „zusammenrechnen“ kann. 😳

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  4. Ach, wen juckt schon das Alter? Ich muss manchmal sogar in meinem Gedächtnis wühlen, in welchem Jahr ich geboren wurde. In die Küche renne ich zig mal, dann habe ich aber vergessen, was ich da wollte, laufe zurück und hoffe, es fällt mir wieder ein und dass ich es auf dem Rückweg in die Küche nicht wieder vergesse *seufz* Das habe ich aber schon als Kind gebracht – so schusselig kennt man mich seit damals bereits. Meine Mutter hat das verrückt gemacht – hat mich zum Einkauf losgeschickt mit zwei Dingen, die ich kaufen sollte und wenn ich es mir nicht aufschrieb, dann hab ich garantiert was falsches mitgebracht oder schon auf halber Strecke völlig vergessen, was ich kaufen sollte. Da war ich 13. Ist nicht besser geworden seit damals 😀

    Marotten machen den Menschen oft einfach interessanter, liebenswerter oder manchmal auch einfach nur lustiger (für andere *grins*).

    Liebe Grüsse
    Clara

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    1. Ha, mein Geburtsjahr vergesse ich nie…nur mit dem Hochrechnen wird’s schwierig… (oh Gott, dass ich das jetzt geschrieben habe… *blush*) Und schusselig durch die Gegend rennen kann ich auch hervorragend, das liegt aber nicht an meiner Unaufmerksamkeit. Sondern daran, dass mir zwischendurch andere Dinge in die Quere kommen, die schlicht wichtiger sind. So ist das. 😉

      Der letzte Absatz ist übrigens ganz wunderbar und sehr wahr. Ich merke gerade, dass es die Marotten sind (über die ich früher vielleicht mal genervt die Augen verdreht habe), an die man sich später erinnert…

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  5. Also das „ich bin Anna und ich bin fabelhaft“ nehme ich dir nicht nur ab, ich würde es sogar mehrfach unterschreiben und jedem ausführlich darlegen, der danach fragt und dafür braucht es hat keine Granaten und Zahlen auch nicht (bäh, Zahlen!). Deine Texte reichen völlig aus. Fabelhaft sind die nämlich immer. Jawoll.

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    1. Weißt du, was dein Kommentar gerade in mir auslöst? Ich ziehe ernsthaft in Erwägung, demnächst etwas zu tun, was ich zutiefst verabscheue. Nämlich: ein paar „fishing for compliments“-Posts rauszuhauen. Ich könnte so ein bisschen „Anna, du bist fabelhaft“-Gesülze gerade echt gut gebrauchen. 😛

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  6. Ich musste sehr über deine Worte schmunzeln und habe mich das eine oder andere Mal wiedererkannt. Mein Verhältnis zu Zahlen ist auch choatisch. Früher, zu Schulzeiten, war es eine Hassliebe. Heute haben wir uns miteinander arrangiert, taxieren uns ab und an skeptisch, strafen uns meistens aber mit gegenseitiger Ignoranz.
    Ich wünsche dir Glitzer, Fliederduft, Sternenstaub und Einhornpupse für die neue Woche.

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    1. Und jetzt musste ich lachen, denn: Ja, ich strafe die Zahlen mit Ignoranz – sie mich allerdings nicht. Alter, Kontostand… gnadenlos. Nur die Waage habe ich vor Monaten weggeworfen. *g* Blick in den Spiegel genügt (um entsprechend zu handeln). 😉

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