Der Heulsusen Zähmung…

Was Filme und Bücher angeht, fahre ich seit Jahren eine bewährte Strategie: Ich. Will. (M)Ein. Happy End. Alles andere ist nicht akzeptabel. Punkt. Und bis es zum Happy End kommt, soll möglichst nicht allzu viel gelitten werden. Oder anders: Wenn der Spannung halber schon ein bisschen gelitten werden muss, was ja sogar ich einsehe, dann wähle ich lieber Nancy Meyers als Quentin Tarantino [den ich ehrlich gesagt ohnehin nie wähle, weil ich alleine aufgrund der Kurzbeschreibungen seiner Filme daran zweifele, dass der Mann überhaupt weiß, dass es so was wie ein Happy End gibt. Den würde ich gerne mal mit einem Schmonzettenmarathon foltern].

Käme man auf die Idee, die Intelligenz eines Menschen an seine Vorliebe für bedeutungsschwangere, sehr vielschichtige und komplexe Filme oder Bücher zu knüpfen, dann läge die Vermutung nahe, dass ich dann wohl in etwa so intelligent wie ein Stück Treibholz oder ein Rudel Tiefkühlerbsen sein dürfte – was an manchen Tagen leider durchaus der Fall ist. Aber natürlich könnte eine Vorliebe für derart leichte Kost auch andere Gründe haben. Sogar mehrere. 

Ich finde es nicht unterhaltsam, das Leid oder die Demütigung von Menschen miterleben zu müssen. Im Gegenteil. Das bereitet mir nahezu körperliche Schmerzen und mitunter zieht mir schon  die Beschreibung eines Films (oder so manche Rezension) für ein paar Tage die Beine weg. „Angenehme Unterhaltung“ sieht für mich anders aus. Mir ist durchaus bewusst, dass das Leben kein Ponyhof ist und dass es uns allen die eine oder andere Wunde schlägt. Aber wenn ich Realität suche, dann gehe ich mit wachen Sinnen nach draußen und schalte nicht den Fernseher ein.

Zudem hat die simple und vorhersehbare Handlung derartiger Filme, deren Ende so überraschend ist wie die Tatsache, dass der Heiligabend alljährlich auf den 24. Dezember fällt, etwas unglaublich Beruhigendes. Das spart Baldrian, Johanniskraut oder andere Stimmungsaufheller. Abhängig vom gewählten Film könnte allerdings natürlich auch eine besondere Faszination für den jeweiligen Drehort dahinterstecken und der Wunsch, irgendwann mal dorthin zu reisen. Vielleicht lässt man dieses ganze Bewertungsding aber auch einfach beiseite und nimmt lediglich wahr: „Ah, sie sieht lieber seichte Filme.“ ->Ende. Weil das, was ich in eine Sache reininterpretiere ja sehr viel mehr über mich aussagt, als über die Sache selbst.

Nun scheint mir meine „Happy End“-Strategie allerdings nicht wirklich gut bekommen zu sein. Derzeit verhält es sich nämlich leider so, dass ich selbst bei den Filmen zum Wasserwerk werde, die so viel Tiefgang haben wie ein Korken im Wasser. Inakzeptabel. Absolut inakzeptabel. Diese Flennerei geht gar nicht, zumal so ein Weichei in einer Welt wie dieser schlicht nicht überlebensfähig ist. Welche Laus also mir da auch immer über die Seele läuft… ich werde sie vernichten. Vernichten müssen. Mit einer von mir selbst zusammengeklöppelten Therapie, die in Anlehnung an einen meiner Lieblingsromane entstanden ist. In „Fräulein Kellermann und die Kunst des Schwärmens“ heißt es nämlich:

Ziel: Genesung durch Herstellung äußerer wie innerer Ereignislosigkeit. Zu diesem Zweck verzichtet Perdita auf Liebe, Filme und Bücher und übt sich in der Kunst der Schwärmerei – gefahrlos, aus der Ferne, ohne aufwühlenden Kontakt.

Verzicht auf Liebe, Filme und Bücher… nun kann ich nicht ganz so konsequent wie Perdita darauf verzichten – ich verzichte ja abends schon aufs Essen und irgendwann isses dann auch mal gut. Trotzdem ist es Zeit für Veränderungen. Also habe ich das „Geisterfjord“ von Yrsa Sigurðardóttir besucht – sehr lesenswert. Und meine gesammelten Herzschmerz-DVDs verhökert und in den letzten Tagen schmerzlich vermisst, das kann ich euch sagen. Okay. Fast alle. Die … ähem… künstlerisch wertvollen, die mit den tollsten Landschaftsaufnahmen und Klassiker dürfen vorerst bleiben – allerdings stehen sie nicht mehr in Sichtweite. Und nachdem ich schweren Herzens akzeptiert habe, dass es weder Weihnachtsmänner noch Einhörner oder Wunscherfüllungsfeen gibt, ging es nun auch im Film dem Happy End an den Kragen. Mit Johnny Depp und „Das geheime Fenster“ . Welch feine Ironie, dass ausgerechnet ein Depp … ähm… der Depp mein Happy End abmurksen durfte. Vielleicht wäre Tarantino ein bisschen stolz auf mich, auch wenn ich in diesem Leben sicher keinen seiner Filme anschauen werde…

Fotocredits: pixabay/ronymichaud

 

19 Kommentare zu „Der Heulsusen Zähmung…

  1. Na was fällt dir ein? Bevor du munter in die Welt hinaus posaunst, dass es den Weihnachtsmann oder Einhörner nicht gibt, hättest du ja wenigstens eine Warnung vorschalten können. Spoileralarm oder so. Ich bin empört!
    amüsierten Gruß,
    Anna die bekennende Happy Ending Tante

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    1. 😂😂😂 Oh verdammt. Entschuldige bitte! Und ich habe vorher noch überlegt, ob ich ne Warnung bzgl. der drohenden Desillusionierung hätte drübersetzen sollen…

      Lieben Gruß!

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  2. Ich glaube Tarantino wurde als Kind mit Schmonzetten und Happyends gefoltert! Ich mag nur From Dusk till Down.
    Mir gehts wie Dir. Ich schaue Filme weil sie schöne Bilder haben, oder Farben. Psst ich hab schon mal ne Doku über Frösche geschaut weil das Grün in HD so geil war. Jetzt weisste alles ne!
    Ich will Unterhaltung und zu viel Spannung lässt mich leiden. Sarah lacht immer wenn wir was Aufregendes oder Ekliges Schauen. Sie sieht mir an wie ich mitleide. Wir haben am Sonntag Lucifer geschaut, die Serie, da hatte… ach ne darf ich Dir nicht erzählen sonst gehts Dir wie mir… ich konnte regelrecht mitfühlen… Sarah lacht immer und sagt ich wäre aber auch echt ein Weichei. Und das bei meinem Beruf! Wahrscheinlich ist das der Grund dass ich lieber die Praxis manage, als Wunden zu versorgen 🙂
    Also ich liebe Happy ends und Filme die schöööne Bilder haben. ODer in schönen Städten spielen. Da muss nicht mal was passieren…. ich sag ja Frösche und grün und so….
    Liebe Grüße TT

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    1. Das mit der Frosch-Doku verstehe ich sehr gut. Und ich schäme mich gerade ein bisschen… der arme Herr Tarantino. Meinste wirklich? Mit Schmonzetten und Happy Ends in den Irrsinn getrieben? Armer Kerl. Ich fühle mit ihm – aber seine Filme schaue ich trotzdem nicht an. 😏

      Lieben Gruß zurück, du TT 😂

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  3. Herr Tarantino kann keine Happy Ends? Wer hat dir das denn erzählt? Also bitte. Guck dir mal schleunigst das Ende von Django Unchained an. Das ist ja so happy, da kommen dir die Tränen. Echt jetzt! OK, der eine oder andere bleibt bis dahin auf der Strecke, aber das end ist happy 🙂
    Ich gucke gerade völlig unaufgeregt meine 80er-Filme durch. Der Rest der Familie munkelt, ich sei da steckengeblieben. Damals war die Welt aber ja auch noch wohlgeordnet, in Ost und West, in Gut und Böse… 😉
    Liebe Grüße
    Fran

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    1. Pfft. Kann mir doch nicht einfach nur das Ende anschauen, ich muss vorher mitgelitten … äh… mitgefühlt haben, sonst ist mir das Ende ja schnurzpiepegal. Ich bin Pilcher-verkorkst (wobei ich mir die neuen auch nicht mehr anschaue, die sind blöd) und da läuft das auch nicht so einfach. Also nicht: „Oh, hallo. Ich finde dich süß.“ „Ich dich auch.“ „Schön. Wollen wir heiraten?“ Happy End. 😎

      Lieben Gruß zurück 😉

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    1. Ich hasse „Pretty Woman“ – aber ich bin ohnehin kein Fan von Richard Gere und in dem Film finde ich ihn oberätzend. Mein liebstes Happy End gibt’s in „Die Geisha“… hach… wobei sooo wirklich happy ist das auch nicht. Verdammt. Ich sollte meine Definition von Happy End überdenken. *g*

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  4. Hach!! ich bin eine Tiefkühlerbse! Jetzt wird mir so vieles klar…. *gggg*!!
    Aber weisste- ich steh dazu. Das Leben bietet so viel Derbes und Beunruhigendes jeden Tag, das mag ich mir nicht auch noch abends freiwillig vor der Flimmerkiste reinziehen. Darum hab ich meinen medialen Konsum ziemlich kompromisslos auf Schönes, Herzerwärmendes und jaaaaa…..ich gebs ja zu: Seichtes festgetackert. Aber was ist falsch daran? Wenn du „Chocolat“ geguckt hast ist deine Welt weich und warm wie ein Becher voll heisser, süsser Schokolade mit einer Rahmhaube. Wenn du in einer Reportage mitbekommst, wie ein verlottertes Sichtsteinmauer-Pförtnerhäuschen in irgendeinem kleinen Kaff in Süd-West-Gloucestershire restauriert wird und du dir dann nichts sehnlicher wünscht als in dieses entzückende Hexenhäuschen inmitten bezaubernder Landschaft mit Schafen und Teichen und grünen Hügeln zu ziehen, dann verleiht das deiner Phantasie Flügel. Und ein Streifen wie „Verstehen sie die Béliers?“ macht einfach nichts anderes als gute Laune. Wir wissen alle: Diese Welt braucht eine Menge gutgelaunter, fröhlicher und optimistischer Menschen! Also her mit leichter, beschwingter Unterhaltung, die DEM Organ so richtig guttut, welches uns als Menschen ausmacht: der Seele nämlich!
    Fröhliche Hummelzgrüsse!

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    1. Schön ist das. Wenn du schreibst, dass du ähnlich gestrickt bist (und warum wundert mich das nicht…), dann fühle ich mich schlagartig normal(er). Und weißt du was? Ja, ich will. Ich will auch Filme, die meine Welt zu so einem Rahmhaubendings machen – wenn ich denn Lust auf nen Film habe. Bei Büchern bin ich etwas toleranter – die Geschichten um Heinrich VIII haben nun mal kein Happy End, schon gar nicht für seine kopflosen Frauen. Auch „Geisterfjord“ oder „Die Frauen von Stepford“ (das Buch oder die Version von 1975 mit Katharine Ross, z.B. auf Youtube und nicht den Quark mit Nicole Kidman) funktionieren für mich so, wie sie da eben serviert werden. Aber sonst brauche ich einfach Balsam und kein Schmirgelpapier. Vielleicht belasse ich’s bzgl. der Abhärtung einfach beim Sport. Beim Hand- oder Fußball gibt’s auch keine Garantie auf ein Happy End und ich muss das Ergebnis so hinnehmen, wie es eben kommt, obwohl ich vorher 60-90 Min. wie blöde mitgelitten habe. Ich denke, das ist genug. Und irgendwer muss ja auch das Weichei sein – quasi als Gegengewicht zu all den Lara Crofts u. Arnold Schwarzeneggers dieser Welt, die in meiner Gegenwart gleich noch ne Ecke cooler wirken. 😉

      Herzlichen Gruß zurück!

      P.S: „La vie est belle“ steht schon im Regal – aber ich habe noch nicht reingeschaut. Das muss zelebriert werden. 😉

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  5. Hu!

    Wie der geneigte Island-Fan auszuposaunen droht – in Russland verteilen sie schon Ohrstöpsel.

    Aber hallo – auf happy endings verzichten, nur weil sie innere Kanäle ins Fließen kommen lassen?`I woiß net?!

    Gut, wenn sich natürlich das Gefühl einstellt, hej, der Fluss bin ich … wo ist mein Ufer … ja, dann … 🙂

    Naja, wie auch immer: Für mich gibt es keine Weicheier. Lass fließen sonst Stau oder Vertrocknung.

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  6. Huhu, gehst du auch schlafen, wenn „dieser Film ist für Zuschauer unter 16 Jahre nicht geeignet“ eingeblendet wird? Sag ja, dann fühle ich mich auch normaler. Gibt genug echte schlechte Gefühle in dieser Welt, da brauche ich nicht auch noch fiktive. Dann lieber den Eichhörnchen bei der Fellpflege zusehen :-).
    Ach so – bist du ganz sicher bei der Sache mit Weihnachtsmann und Einhörnern?

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    1. Ja, das tue ich. Fast immer. Und wenn ich denn mal Filme ab 16 schaue (etwa „Die Tudors“), dann kann ich sie nur als DVD anschauen, da gibt’s nämlich den Schnellvorlauf für gruselige Szenen und es gab schon Folgen, die ich mir quasi einäugig im Schnelldurchgang reingezogen habe. 😎

      Die Sache mit den Einhörnern und den Weihnachtsmännern… hm… ich recherchiere diesbezüglich noch mal. Jetzt beginnt ja die Zeit, in der du zumindest den W-Männern mal wunderbar auf den Bart fühlen kannst. 😉

      Gefällt 1 Person

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