Was ist selbstverständlich?

#kann Spuren von Ironie enthalten

Oder: Duden, wir müssen reden. Denn wenn es nach dir geht, gibt es im Leben zu wenig Wunder und das passt mir nicht. 

Wer sich nicht mehr wundern und in Ehrfurcht verlieren kann, 
ist seelisch bereits tot.

(Albert Einstein)

Was ist ein Wunder? Mal überlegen… vielleicht ein Lottogewinn, obwohl ich noch nie Lotto gespielt habe. Und natürlich Ufos, Kornkreise, weinende Marienstatuen oder eine Wunderheilung – es sei denn, Die Drei ??? liefern passendende Erklärungen. Wenn die Messlatte für Wunder allerdings derart hoch liegt und sie laut Duden ein „außergewöhnliches, den Naturgesetzen oder aller Erfahrung widersprechendes und deshalb der unmittelbaren Einwirkung einer göttlichen Macht oder übernatürlichen Kräften zugeschriebenes Geschehen“ sind, werde ich in meinem Alltag wohl kaum welche erleben können und das gefällt mir nicht – mal abgesehen von den Ufos, auf deren Ankunft ich nun keinen gesteigerten Wert lege.  

Ich wundere mich – natürlich am liebsten im positiven Sinne – gerne mal. Und ich mag es sehr, wenn ich mich nicht nur über mich selbst wundern muss, weil ich ein bisschen verhaltensoriginell bin. Ich bewundere oder anerkenne auch. Gerne, freigiebig und von Herzen – wenn es denn etwas gibt, das ich aufrichtig bewundern oder anerkennen kann. Geschmeidige Phrasendreschereien oder halsbrecherische Rutschpartien auf Eigenschleim sind meine Sache leider nicht. Sobald sich jemand in meiner Gegenwart in einer Tour selbst beweihräuchert, muss ich mich übergeben und wenn ich in dieses unsägliche „Fishing for Compliments“- Spielchen verwickelt werde, zücke ich im vollen Bewusstsein, der Schei… äh… Lawine, die nachfolgend auf mich zurollen wird die Harpune. Mit diesem Defizit macht man sich natürlich keine Freunde, weswegen ich seit jeher an einem Vitamin B-Mangel leide und da gibt’s  leider auch nichts von Ratiopharm. Offensichtlich leide ich aber leider noch nicht genug, denn sonst würde ich’s ja mal mit einer vitaminspendenden Schleimkur versuchen…

Aber zurück zum Thema: Ich lasse mich also gerne von besonderen Momenten und kleinen und größeren Alltagswundern verzaubern und käme nicht im Traum auf die Idee, mir ein „Making-of“ von Harry Potter anzuschauen. Warum um Himmels willen sollte ich dieser Entzauberung denn freiwillig beiwohnen? Dass der nicht wirklich auf seinem Besen durch die Gegend fliegt, habe ich mir auch schon überlegt. Und ich möchte lieber nicht wissen, was die nach den Dreharbeiten mit Drachen, Einhörnern und Flubberwürmern angestellt haben, das könnte magische Tierschutzorganisationen auf den Plan rufen. Aber Flachs beiseite, denn es ist doch so: Erst vergeht uns das Staunen und irgendwann ist es uns nahezu unmöglich, uns noch in Ehrfurcht zu verlieren, weil… pfft… ist doch alles öde. Ein alter ZauberHut… wo ist da der Kick?

Geködert durch Superlative und Pseudosensationen, vom schönen (Online)Schein in die Irre geführt und dank ständiger Verfügbarkeit von allem übersättigt, sind wir andauernd auf der Suche nach Krawumm, Feuerwerk und dem nächsten großen Ding oder Seelenverwandten. Doch anstatt uns wenigstens mit allen Sinnen auf das gegenwärtige große Ding einzulassen und uns wirklich von ihm berühren zu lassen, sind wir insgeheim schon wieder auf dem Sprung. Her mit dem nächsten einzigartigen und einzig wahren Ding, das uns für fünf Minuten flasht. Wie ein Kind im Spielzeugparadies. Alles angrabbeln, ausprobieren und nach drei Minuten in die Ecke pfeffern, weil’s langweilig wird. Keine Zeit, um irgendwas nachklingen zu lassen. Und irgendwann stellen wir vergrätzt und völlig überreizt fest, dass uns überhaupt nichts mehr so richtig berührt. Dass wir uns gehetzt und leer fühlen und alles irgendwie sinnlos ist. Ach nee. Warum wohl? Krawumm und Feuerwerk haben ja zweifelsohne ihren Reiz, aber es geht auch ohne. Und da Online-Detox mittlerweile so hoch im Kurs steht, wie das Smartphone im freien Fall ist [ich sage nur: Die Flow mit ihrem „7-Tage-offline-Projekt“ + Tagebüchlein… so ein Smartphone kann einen aber auch unglaublich terrorisieren… Mannmannmann…mein LG hält mir auch jeden Morgen ein Messer an die Kehle und brüllt: Schalt!Mich!Ein!] , könnte man ja vielleicht gleich mal einen Schritt weiter gehen und Krawumm und Feuerwerk reduzieren, um auszuprobieren, wie sich das anfühlt.

Kinder sind da ganz wunderbare Lehrmeister – ehe wir sie mit Krawumm und Feuerwerk verkorkst haben. Als ich kleiner jünger war, bin ich gerne von der Couch über die Heizung auf den Kleiderschrank gekraxelt, weil ich da oben quasi unsichtbar war und meine Ruhe hatte. Ausgerüstet mit einem Buch, meiner Kuscheldecke und dem nötigen Proviant habe ich lange dort oben auf meinem Schrank gesessen und mich weggeträumt, gelesen oder einfach nur aus dem Fenster geschaut – also genau das gemacht,was die Flow gerade anregen möchte… natürlich ohne die Klettertour auf den Schrank. Mehr hat es nicht gebraucht für einprägsame Momente solange genug Proviant mit an Bord war. Allerdings sind Schneckenhaus-Menschen da ja auch recht genügsam. Seither besitze ich eine Vorliebe dafür, die Dinge aus der Adlerperspektive zu betrachten. Ein Hochsitz im Wald? Meiner. Ein BauKlettergerüst? Wunderbar. Ein Fensterbrett im sechsten Stock? Ich sitze am offenen Fenster und schaue runter. Ein Zipfelchen Steilküste, eine Aussichtsplattform oder die Mauer einer Burg(Ruine) mit einem Wahnsinnsblick nach sehr weit unten? Ich bin ganz vorne mit dabei und blende alles aus, was mir diesen Moment zerstören könnte. Auch Warnhinweise. Möglicherweise liegt diesem Verhalten der tiefliegende Wunsch zugrunde, mich endlich mal so richtig fallenzulassen.

Ich bin aus tiefstem Herzen dankbar  für mein kindliches Gemüt dafür, dass ich mir die Fähigkeit bewahrt habe, Momente bewusst erleben und – wortwörtlich – über Kleinvieh staunen zu können. Schmetterlinge und Marienkäfer auf dem Balkon werden stets gebührend bewundert und die Fledermäuse, Kröten,  Reiher, Wildschweine und Füchse, die während der Walkingrunde meinen Weg kreuzen, so ausgiebig bestaunt, als wäre ich eine Zweijährige. Von durch die Gegend flitzenden Eichhörnchen möchte ich gar nicht erst reden, für die würde ich sogar Jack Sparrow links liegen lassen. Schrieb ich schon, dass ich mich eigentlich am meisten über mich selbst wundere? Ah ja, weiter oben… gut.

Nebenbei bemerkt muss ich nicht mal die Wohnung verlassen, um wie ein Kind staunen zu können. Manchmal bin ich bereits morgens geflasht, weil ich nicht erst eine Stunde zum nächsten Trinkwasserbrunnen laufen muss. Einfach nur den Wasserhahn aufdrehen und schon ist frisches Trinkwasser da. Direkt aus dem Hahn. Der Hammer, oder? Weiß ich nicht erst seit der Badsanierung zu schätzen, mit der eine wochenlange „Dürreperiode“ einherging. Als das Bad nach sechs Wochen immerhin so weit wiederhergestellt war, dass die Badewanne benutzt werden durfte, habe ich erstmal solange gebadet habe, bis ich aussah wie „das Ding aus dem Meer“ – dabei bade ich nicht mal gerne, ich wasche mich überhaupt nicht dusche lieber.

Okay, ich hoffe, die vorschlaghammerartig angebrachte subtil durchscheinende Botschaft ist deutlich geworden? Aber sicherheitshalber noch mal zum Mitschreiben: Ich genieße es sehr, dass es mir recht oft möglich ist, den Moment zu genießen und das eigentlich Selbstverständliche eben nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Weil es das nicht ist. Ein winziges Steinchen im Getriebe und schon ist das, was wir als selbstverständlich hinnehmen, nur noch eine Erinnerung. Ein Tag ist voller kleiner und größerer Wunder, auch wenn sie nicht unter das fallen, was der Duden als Wunder definiert. Man muss diese kleinen Alltagsbesonderheiten nur sehen können und sehen wollen. Und vor allem: Sie nicht als Selbstverständlichkeit abtun, denn das sind sie nicht…

Erinnerungen Alltagswunder

P.S: Ich habe morgen das zweifelhafte Vergnügen, an einer Beerdigung teilnehmen zu dürfen und werde, wie immer in so einem Fall, die Rede an mir vorbeiziehen lassen, ohne ein Wort zu erfassen. Stattdessen wird mir mal wieder mit voller Macht bewusst werden, wie schnell ein Leben enden kann und wie wenig am Ende des Lebens von einem übrig bleibt – und hier rede ich nicht von einem Häufchen Asche. Sondern von all den kleinen und großen Sachen, die wir im Laufe unseres Lebens mehr oder weniger sorgsam zusammentragen haben, weil sie uns  – vermutlich – irgendwas bedeuteten … und am Ende unseres Lebens will sie niemand in seinem haben. Was bleibt? Müllsäcke mit Plunder. Und Erinnerungen. Mögen wir rechtzeitig dafür gesorgt haben, dass die schönen überwiegen… 

[Randnotiz: Es ist ja unfassbar, worüber man sich vor seinem Ableben Gedanken machen sollte, wenn man hinterher nicht böse überrascht werden möchte. Also: Wenn man mich irgendwann unter die Erde bringt, möge man mir bitte meine Lieblingsjeans und meinen Lieblingshoodie anziehen. Dazu die Fake-Chucks und zwei Paar Socken. Und gebt mir sicherheitshalber auch meine Gummistiefel mit, ich weiß ja nicht, durch welchen Modder ich latschen muss, ehe ich diese ominöse Blumenweise erreicht habe. Und wichtig: Ohne Harry Potter und Disturbed gehe ich nirgendwo hin und das ist nicht verhandelbar, also gebt mir die Bücher und den MP3-Player mit. Wissta Bescheid… ihr wisst schon, wer gemeint ist. Ja, ihr. 😉 ]

Fotocredits: Beitragsbild pixabay/Stray_Pic , Rest pixabay/Jarmoluk

24 Kommentare zu „Was ist selbstverständlich?

  1. Was für ein klasse Text. Am Ende, als Du mit der Beerdigung kamst hat ich total vergessen was ich Dir hier eigentlich grade sagen wollte. Aber ja ich versuche auch dankbar zu sein und ich bemerke durchaus auch kleine Dinge des Lebens. Ich weiss was Du meinst mit dem Wasserhahn. Es ist nicht für alle Menschen selbstverständlich.
    Ach grad fällts mir wieder ein, nein bitte setz Dich nicht ans offene Fenster auf die Fensterbank im 6. Stock oder so, ja? Wenn du so leichtsinnig bist, ist nix mit Harry und Disturbed, weisste Bescheid! 😉
    Ich möchte übrigens brennen, verstreut werden und eine verrückte Teeparty für meine Hinterbliebenen und Freunde. Weisste Bescheid 😉
    Du glaubst gar nicht wie froh ich bin meine Verrücktheiten und teilweise kindliche Fantasie nicht verloren zu haben.
    Schönen Abend Anna, ach und DAS LEBEN ist ein WUNDER.
    Liebe Grüße Tina

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  2. Oh, mit Harry Potter beerdigt werden hat definitiv etwas für sich!! 🙂 Gut, bei mir ist das, sofern ich es nicht entfernen lasse, durch mein Expecto Patronum Tattoo erledigt (und vielleicht folgt ja irgendwann noch ein Weiteres, Harry Potter Themed Sleeve oder ein tolles Bild auf dem Rücken?) – aber die Bücher, so ganz ‚wie früher‘ als ich sie mit 12 kennen lernte und so weit verschlang dass ich auf den nächsten Band mit Bauchkribbeln warten musste… das hat was für sich.
    Wenigstens redet dann (und bitte, niemand solle sich auf die Füße getreten fühlen, wenn er das für sich möchte, ich möchte es für mich nun mal nicht) auf meiner Beerdigung niemand über Gott!

    Lieben Gruß,
    Anna, die Dankbar ist für Regen weil er die Welt drinnen so kuschelig macht.

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    1. *hüstel* Auf meiner Beerdigung soll bitte auch niemand über Gott reden. Ich glaube ja nicht nicht. Aber ich bin ja nicht mal getauft und habe das auch nicht nachholen lassen, als ich mich näher damit beschäftigt habe. Also wird das nix mit (m)einer Beerdigung von der Stange. Und wenn wir schon dabei sind: gruselige Lieder gibt’s bei mir auch nicht, sonst komme ich wieder raus und lege andere Musik auf. 😉

      Lieben Gruß
      Anna

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  3. wo darf ich unterschreiben?!
    um sich zu wundern und ehrfurcht zu empfinden bedarf es wahrlich keiner wunder…… es sei denn man definiert diese erde mit ihrer natur und den schönes und nützliches schaffenden menschen darauf als ein solches.
    falls mal wieder einer DIESE LEERE nach zuviel *krawumm* verspürt kann er gern hier vorbeikommen und sich von mir durch den wald schleifen lassen 😀
    aber auch da hatte ich übrigens schon kunden die trotz all meiner bemühungen NIX kapiert haben – und weiterhin auf der flucht vor ihrem sinnentleertem leben sind. manchen kann man eben nicht helfen – nichtmal mit so herrlichen texten wie diesem hier!
    xxxxxx

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    1. Unterschreiben? Gleich hier: xxxx
      Die Erde mit ihrer Natur ist für mich ein Wunder – nur beim Menschen bin ich mir nicht so sicher. Und ich danke dir herzlich für das Kopfkino. Sehe es buchstäblich vor mir, wie du nach Krawumm suchende Wanderer resolut durch den Wald schleifst… 😛

      Lieben Gruß
      Anna

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  4. Herrlich, Anna!

    … und verhaltensoriginell ist ein Wort, das mir zu lange gefehlt hat, auch einem mir sehr bekannten Zustand in ein einfaches und prägnantes Wort zu packen. Also Leute, hört auf euch über mich zu wundern (wo wir direkt schon wieder beim Thema sind): ich bin einfach verhaltensoriginell. So! In you face.

    Aber Spaß beiseite, meine persönlichen Wunder und Ausbrüche der Dankbarkeit klingen für andere vielleicht langweilig, doch für mich sind sie die Welt. Zeit mit meinen Freunden – wenn wir Zeit verschwenden und nichts tun als reden, lachen und zusammen zu sein. Meine Familie, die trotz all dem Wahnsinn den sie verbreitet, immer mein happy place sein wird. Der Blick von einem Berg ins Tal, der gestrige Sonnenuntergang mit seinen atemberaubenden Farben, erkannt zu haben, dass mich nicht jeder mögen muss (und ich umgekehrt auch nicht), sich Selbstzufriedenheit zugestehen können (Schluss mit dem ständigen negativ Talk), die fallenden bunten Blätter, der erste Schnee… ach ich könnte ewig so weiter machen.

    Danke, dass Du mir wieder einmal den Anstoss gegeben hast, die kleinen Wunder zu sehen ❤

    Liebste Grüße,
    Sarah

    PS: whhhaaaa, danke für die Aufnahme in Deinen Blogroll!! Habe ich ja letztens erst gesehen… und dabei übrigens weitere tolle Links entdeckt :*

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    1. Was für ein wunderbarer Kommentar – genau die Art von Wundern, die ich meine. Wobei ich vielleicht „Wunder“ und „Gründe, um dankbar zu sein“ ein wenig durcheinandergeworfen habe, aber wen interessiert das schon, wenn’s für nen guten Zweck ist? 😉

      Lieben Gruß
      Anna

      P.S Aber herzlich gerne. Ich danke dir für deine Posts!

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  5. Hach…eines meiner Lieblingsthemen! Mit dem ich ungefragt immer mal wieder den lieben Menschen um mich rum, sei es im realen wie auch im virtuellen Leben, auf den Keks zu gehen vermag, *ggg*!
    Du hast es perfekt in Worte gefasst! Das Leben ist sooo schöööön- man muss all die kleinen Freuden nur erkennen (wollen). Ich hab den Eindruck, dass man bei manchen Menschen mit diesem Wunsch gegen die Wand fährt. Irgendwie können, wollen, möchten sie es nicht erkennen. Die sind gepolt auf „Grossartiges“, verknüpfen nur damit ihren Seelenfrieden und ihre innere Zufriedenheit. Nur um bei jedem folgenden Kawumm nach der ersten Euphorie und dem Verschwelen derselben zu erkennen, dass es noch nicht the one and only Kawumm war. Traurig sowas. Und stell dir vor, wie unzufrieden das auf Dauer macht!
    Jedes Mal, wenn mir Big Harry seinen grossen, schweren Kopf auf die Schultern legt und mit in die Ohren schnaubt macht es bei mir laut und deutlich „KAWUMM!!“. Wenn ich eine Schnecke beobachte, die am Stall in den Mietzchenfuttertopf kriecht und dort ein Stück Mietzchentrockenfutter weglutscht: „KAWUMM!!“ Herbststurm? Eine dampfende Tasse Tee und ein Stück Kuchen dazu? Ein prachtvoller Sternenhimmel in der kalten Nacht?? Du ahnst es: Ich werde von lauter „KAWUMMS!!“ jeden Tag beinahe plattgemacht. ;oD
    Unser ganzes Leben ist für sich betrachtet ein Wunder, alleine dass unser Herz jeden Tag 100’000 Mal (!!!) schlägt, unermüdlich und zuverlässig, ist doch etwas ganz und gar Spektakuläres. Ganz abgesehen von all den Reaktionen in unserem Körper, die davon abhängen und ausgelöst werden……
    Ach, und übrigens: Ich bitte mir aus, irgendwann, in vielen Jahren (hoffentlich!), diese Erde mit einer Party zu verlassen. Ich will KEINE solche Messe in der Kirche haben. Für mich gibt es nichts Schlimmeres, als nach dem Tod eines lieben Mitmenschen und der Trauer, die man irgendwie handeln muss, auch noch so’ne Messe ertragen zu müssen, die heruntergeleiert wird und ausserdem auch noch ganz furchtbar alte Zöpfe bedient. Also will ich das auch keinem bei meiner Beerdigung zumuten. WEHE!! Ich hab meinen Schwestern gedroht, dass ich nachts bei ihnen anklopfe, wenn sie das nicht verhindern! ;oD
    So. Und ich wende mich jetzt wieder den alltäglichen kleinen Freuden zu. Hab nämlich erstaunlicherweise grade einen Post mit diesem Thema in Arbeit……
    Hummelzherzensgrüsse!

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    1. Mit dem Thema kann man doch niemandem auf den Keks gehen. Hallo?! Andere rennen zu irgendwelchen Gurus und bezahlen ordentlich Geld dafür, um sich Zwiebelhaut für Zwiebelhaut abeziehen zu lassen. Und du bringst ihnen das auf ganz einfache und alltägliche Weise nahe – für lau. Also bitte… da kann man nicht genervt sein. *g* Es sei denn, man gehört zu denen, die davon ausgehen, dass man Liebe, Glück und Zufriedenheit auf ebay oder amazon bekommt. Und bei zalando. 😉

      Und ja, bei manchen Menschen fährt man mit dieser Einstellung gegen die Wand. Die sind wie die Dementoren oder – falls dir Harry Potter nichts sagt – das Fass ohne Boden. Du gibst oben immerzu rein… und bist am Ende ausgelaugt und das arme Menschlein dir gegenüber ist immer noch kreuzunglücklich. Und noch schimmer: Es versteht überhaupt nicht, dass du glücklich bist, weil dein Leben doch nichts Besonderes beinhaltet. Ich habe so meine Erfahrungen mit diesem Menschenschlag gemacht und manchmal frage ich mich, ob ich da vielleicht ein bisschen masochistisch veranlagt bin. Kannst halt niemanden glücklich machen, in dem das so irgendwie nicht angelegt ist.

      *gnihihihi* Wir ticken doch ganz schön ähnlich. Ich bin im Leben keine Frau, die große Auftritte und ein Dasein im Mittelpunkt schätzt und die Vorstellung, dass zu meinem Tod alle eine blöde Rede über mich anhören sollen und überhaupt… och nö, lass mal. Und so eine herkömmliche Rede passt auch nicht zu mir. Gar nicht. Vielleicht suche ich mir ein schönes Märchen aus – das dürfen sie vorlesen. 😉

      Herzlichen Gruß
      Anna
      (und ich bin gespannt auf deinen Post!)

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      1. Ähemm…mein neuester Post IST dieser Post! Weil ich mich doch so gefreut hab, dass John seinen Job soooo toll gemacht hat! Wenn meine Ponys sich so richtig super verhalten, dann IST das eine meiner vielen kleinen Alltagsfreuden! Ach- eigentlich auch nur der Umstand, dass sie überhaupt da sind in meinem Leben. Und dies….und das….und jenes! Aber um eines klarzustellen: Ich brauche definitiv keinen Mister Universum in meinem Dasein, damit es mir gutgeht. Nicht, dass da noch irgendwelchen seltsamen Gerüchte in den Raum zu stehen kommen, *ggg*!
        Schönen Soooontaaaach!!

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        1. Den habe ich doch noch gar nicht gelesen. Ich hänge derzeit ein bisschen hinterher und bin ein bisschen neben der Spur… ähem… aber letzteres ist jetzt nicht so ungewöhnlich… 😂😂😂

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  6. Ein großartiger Text, ich liebe ihn. Mein persönliches Wunder ist immer und immer wieder meine Familie und meine Freunde. Klingt langweilig? Mag sein und mir egal. Wenn mir irgendjemand damals, als ich 30 war und mich als Karriere-Journalistin irgendwo im Silicon Valley sah, gesagt hätte, dass ich 20 Jahre später mit zwei Kindern und am menschenleeren Elbdeich gesegnet bin, hätte ich ihn wohl erschossen. Dabei sind das die Dinge, die ich heute am wenigsten in meinem Leben entbehren könnte. Dagegen kann jegliches Insta-Feuerwerk einpacken.
    Mit deinen Bemerkungen zur Beerdigung haste mir gerade übrigens die Tränen in die Augen getrieben. Ich habe meiner Freundin vor einigen Jahren eine Schachtel Kippen und eine Flasche Brandy mitgegeben. Und Beides hätte ich auch gern. Camel und Carlos I, bitte. Und ein Plätzchen am Elbstrand.
    Liebe Grüße
    Fran

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    1. Nein, klingt nicht langweilig. Aber was weiß ich schon… mein Leben hat auch einen völlig anderen Verlauf genommen, als es mein 20-jähriges Ich auch nur ansatzweise geplant hat. Mittlerweile denke ich mir, dass alles (s)einen Sinn hat – manches erschließt sich mir vielleicht erst später, aber ich bin davon überzeugt, dass ich am Ende – na gut… hoffentlich schon ein bisschen früher – dasitze und denke: DAFÜR war das also alles gut. 😉

      Oh weh… ich habe dir die Tränen in die Augen getrieben? Das mache ich ja gerne – aber nur mit Lachtränen. Eigentlich. Und ich gebe das zurück – jetzt habe ich nämlich feuchte Augen, nachdem ich deinen Kommentar gelesen habe. Glaube, deiner Freundin hätte das sehr gefallen, was du da gemacht hast. Ich zumindest würde mir wünschen, dass das, was ich oben schrieb, nicht nur als Flachs abgetan wird. 😉

      Lieben Gruß
      Anna

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  7. Ein toller Text, liebe Anna. Und, auch wenn Ihr mir jetzt alle den Puls fühlt: Ich glaube an Wunder. Nicht an die riesengroßen und lauten, sondern eher an die sehr, sehr leisen Wunder, die man beinahe übersieht. Ich habe heute genau so „etwas“ wieder erlebt. Der heutige Tag war ganz sicher nicht meiner, eigentlich wäre ich besser gar nicht aufgestanden. Um nicht endgültig ins Tal des „alles ist sooo schrecklich und keiner …“ abzudriften, hab ich noch schnell unkonventionell vor dem Blumenstand geparkt. Blumen ausgesucht, eingepackt und… so nette Mitblumenkäufer kennengelernt. Wir haben einfach drauflos gequasselt, die Blumenfrau kam auch noch dazu, und gelacht. Es war einfach schön! An meinem Auto hing dann natürlich ein amtlicher Zettel *so´n Mist* auf dem stand: Parken sie bitte das nächste mal vorschriftsmäßig…. dies ist kein Strafzettel. – Heute war ein schöner Tag!

    Liebe Grüße
    Gabriele

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    1. Ich käme nicht im Traum darauf, deinen Puls zu fühlen (nicht aus so einem Grund) oder dich schief anzuschauen. Ich glaube doch auch an Wunder – an kleine, mittlere und an die richtig großen. 😉

      Und ich freu mich gerade, dass du das Erlebnis mit dem Nicht-Strafzettel mit uns geteilst hast. Das passt ja ganz wunderbar hier rein. 🙂

      Lieben Gruß
      Anna

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