Glück ist (k)eine Seifenblase

Ich kann immer wählen. Aber ich muss mir bewusst sein, dass ich,
wenn ich nicht wähle, trotzdem wähle.

(Jean-Paul Sartre)

Wovon hängt es ab, ob ich glücklich bin und einen fantastischen Tag habe? Vom Kaffee am Morgen? Vom Wetter? Von der Anzahl der Likes auf Instagram? Davon, ob ich ein Kompliment bekomme – oder mehrere? Vielleicht…

Nur was geschieht, wenn einer oder gar mehrere dieser Glücksfaktoren ausbleiben? Dann zerplatzt mein Glück seifenblasengleich. Ich werde nervös. Hibbelig. Checke im Sekundentakt die Social-Media-Kanäle und kann es nicht fassen, dass ich kein Feedback bekomme. Übe mich in der Kunst des Fishing for Compliments, um mir von irgendwem versichern zu lassen, wie bezaubernd ich doch bin, obwohl ich mich eher für Schneewittchens Stiefmutter halte. Ich fühle mich elend, wenn anderen (virtuell) übers Köpfchen gestreichelt wird, während ich leer ausgehe. Mein Selbstwertgefühl ist im freien Fall. Ich werde süchtig nach Bestätigung von außen, wohl wissend, dass ich mein Glück damit in fremde Hände lege. Ich fühle mich ohnmächtig und das macht mich erst recht unglücklich.

Bis ich mich daran erinnere, dass mein Glück in dem liegt, von dem ich denke, dass es mich glücklich macht. Und von dem ich will, dass es mich glücklich macht. Sonne oder Regen. Eine Umarmung oder ein Lächeln, manchmal auch ein Tritt in den Allerwertesten. Ein gutes Buch oder ein gutes Gespräch. Gemeinsam Tränen lachen und gemeinsam Tränen trocknen – meine und andere. Manchmal ist die Abwesenheit von Unglück (m)ein Glück. Und manchmal die Tatsache, dass aus einem Unglück keine Katastrophe wurde.   

An einigen Tagen bin ich so glücklich über mein Leben, dass ich alle Welt umarmen möchte und an anderen Tagen bringt mich dasselbe Leben dazu, Rotwein zu trinken und mir anschließend die Decke über den Kopf zu ziehen – obwohl der einzige Unterschied der ist, dass ich mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden bin und eine andere Kaffeetasse verwendet habe. Wenn ich Glück habe, fällt mir ein, dass ich in dem Moment glücklich bin, in dem ich beschließe, glücklich sein zu wollen. Oder wenigstens nicht todunglücklich. Wenn ich Pech habe, ist das Spektakel in meiner Abwärtsspirale so atemberaubend, dass ich mich davon mitreißen lasse. Guter Kaffee und ein gutes Gespräch oder ein aufrichtiges Kompliment helfen allerdings. Immer. Und natürlich meine Kuscheldecke, die ich sogar mit nach draußen nehme. Dann nenne ich sie allerdings nicht Decke, sondern Poncho.  😉

 

Regentropfenschmuck Glück
Regentropfenschmuck. 😉

 

Fotocredits: pixabay/ThePixelman, Rest privat

12 Kommentare zu „Glück ist (k)eine Seifenblase

  1. Signed! ;oD
    Die Perspektive ist oft ausschlaggebend. Man kann auf die Schnauze fallen und denken: „Verdammt! Und jetzt ein Loch in den teuren neuen Leggins!“ Oder man rapelt sich auf und macht sich bewusst, dass man sich bei der Gelegenheit auch den Hax’n hätte brechen können! ;oD
    Ausserdem darf man sich ruhig auch mal selber übers Köpfchen streicheln. Es gibt Tage, die sind einfach Mist, tun aber weiter nichts zur Sache. Es kommt schon Morgen garantiert ein besserer. Und wir legen oft einfach die Messlatte zu hoch wenn es darum geht, gute Tage zu definieren. Grundsätzlich ist es nämlich schon einer, wenn wir morgens überhaupt aufstehen können und unser Zuhause abends wieder unbeschadet erreichen. Mal ganz nüchtern betrachtet.
    Nüchwahr??
    Hummelzherzensgrüsse!

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    1. Ein Loch in den Klamotten? Oha… ich habe vor Wut geweint, als ich so die Treppen runtergeknallt bin, dass meine Lieblingsjeans im Ar*** war. Nein, ich habe nicht über den verknacksten Fuß oder die geprellten Rippen geheult…oder darüber, dass ich die Lachnummer inmitten all der Touris war… aber die Lieblingsjeans! *schluchz* Und ich kann mein Lieblingsoutfit vom damaligen Sturzflug noch auf Kommando abrufen und das ist bestimmt 12 Jahre her… oh weh… ich habe echt einen Sockenschuss. 😳 Äh… was war das Thema? Ah ja. Glück und Dankbarkeit. 😉

      Stimmt. Die Messlatte liegt oft zu hoch. Und stimmt noch viel mehr: Grundsätzlich ist es schon Glück, wenn wir morgens überhaupt aufstehen können und unser Zuhause abends wieder unbeschadet erreichen. Das Leben kann so verdammt schnell vorbei sein. Aber aus gegebenem Anlass sage ich jetzt mal flapsig: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende… ähem… aber gut… das führt jetzt zu weit. 😉

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  2. Ach ja, das mit der Selbstkontrolle über die Glücksabhängigkeit – da muss ich mich auch regelmäßig dran erinnern, dass viel mehr in meinen eigenen Händen und Gedanken liegt, als ich in schlechten Momenten meine. Aber umso schöner ist es dann, wenn man sich wieder erinnert, was alles noch so glücklich machen kann. Und ja, Kaffee steht da auch bei mir ganz weit oben! 😀

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    1. Ähm… ja. Ich muss mich auch regelmäßig daran erinnern, das kann ich dir sagen. Dieser Text ist ehrlich gesagt in einem recht schwarzen Moment entstanden. Oder sagen wir’s so: Es war ein Unglück, aus dem auch eine Katastrophe hätte werden können, von daher bin ich wohl… nun ja… dankbar. Irgendwie. Aber heute brauche ich Kaffee und Harry Potter. Bisschen Koffeinmagie. 😉

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  3. ja da sagst Du richtig was Wahres. Wenn mein Tag mal doof anfängt ergebe ich mich nicht, sondern wende das Blatt und zwar ich selbst. Okay die Kaffeemaschine darf nicht kaputt sein :))
    Schönen Sonntag Abend, liebe Grüße Tina

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    1. *gnihihihi* Wir haben ja einen Bäcker ums Eck, aber meinen löslichen Kaffee muss ich trotzdem im Haus haben. Ich trink den auch gerne mal so. Der erinnert mich an die Tage, als wir mit Zelt und Schlafsack (und eben Wasserkocher und löslichem Kaffee) einfach an die Ostsee gefahren sind und somit ist es nicht nur löslicher Kaffee, sondern… äh… ein Gefühl von Freiheit. *g* Stelle fest: Kaffee ist bei mir nie einfach nur Kaffee. Ich muss das die Tage mal verbloggen. 😉

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