Eine Frage der Sichtweise?

[Aus gegebenem Anlass ein Post aus der Konserve – allerdings komplett überarbeitet und von *Mimimi* befreit. ]

Ich bin ja bekennende Leserin von Frauenzeitschriften Lebenshilferatgebern. Nun griff ich in einer seelisch eher instabilen Phase mal wieder zum New York Times Bestseller „Du bist der Hammer! Hör endlich auf an deiner Großartigkeit zu zweifeln, und beginn ein fantastisches Leben“. Ihr merkt, dass ich an diesem Titel einen Narren gefressen habe, da ich ihn ständig ausschreibe und das liegt daran, dass mir noch nie eine so dermaßen blöde Übersetzung unterkam. Jen Sincero schreibt:

„Wir gehen völlig in den Geschichten auf, die wir uns einreden. […] Wir klammern uns mit hängenden Köpfen an falschen Überzeugungen fest, als handle es sich um mit Scheiße gefüllte Rettungsboote.“

Drastisch formuliert, trifft es aber sehr gut. Und dann riet sie tatsächlich dazu, das eigene Leben doch mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Weil man die Dinge immer anders betrachten kann, wenn man das möchte. Das war der Moment, in dem mir einfiel, warum ich bei derartigen Seelengroßwetterlagen sonst eher zu Harry Potter greife. Der ist netter und tritt einem nicht in den Allerwertesten und außerdem kann er zaubern.

Tatsächlich steckt in der Idee allerdings mehr als ein Körnchen Wahrheit. Würde man Woody Allen, Polanski, Tarantino oder das Team vom ZDF-Sonntagabendfilm bitten, ein vorgegebenes Thema umzusetzen, kämen mit Sicherheit gänzlich andere Filme dabei raus. Und hätte man Walt Disney, Picasso oder Warhol aufgefordert, eine Maus zu zeichnen, lägen wohl auch drei sehr verschiedene Mäusevariationen vor.

Fragen wir mal Diane, Jackie und Marilyn…

Plötzlich kam mir das in den Sinn, was ich in der Biografie „Die Frau, die ich sein wollte“ von Diane von Fürstenberg gelesen hatte, als sie über ihre Kindheit und ihre Mutter schrieb:

„Wenn ich etwas sagte, das nicht ihre Zustimmung fand oder nicht ihren Erwartungen entsprach, sah sie mich finster an oder kniff mich. Ich musste mich dann mit dem Gesicht zur Wand in die Ecke stellen. Manchmal ging ich alleine in die Ecke, weil ich wusste, dass ich etwas Unrechtes getan hatte.“ [1]

Auch sonst ließ Mutter von Fürstenberg nichts durchgehen. Diane musste, noch ehe sie lesen konnte, die Fabeln von La Fontaine aus dem 17. Jahrhundert auswendig lernen und aufzusagen. Und kaum, dass sie schreiben gelernt hatte, orthografisch und grammatikalisch korrekte Briefe verfassen. Zum Austreiben der Schüchternheit wurde Diane bei jeder Familienfeier gezwungen, eine Rede zu halten. Und die Furcht vor der Dunkelheit trieb Mutter von Fürstenberg ihrem Sprössling aus, indem sie Diane in die dunkle Abstellkammer sperrte und vor der Tür wartete – damit ihre Tochter lernen konnte, dass es dort nichts gab, wovor sie sich hätte fürchten müssen. Was sagt die Modeschöpferin nun über ihre Mutter?

„Sie war sehr streng, aber ich zweifelte nie daran, dass sie mich liebte.  […] Meine Mutter hielt nichts davon, Kinder zu sehr zu verhätscheln oder überzubehüten. Sie wollte mich zu einem unabhängigen Menschen erziehen, der selbst die Verantwortung für sich übernahm.“

Mit dieser Sichtweise gibt von Fürstenberg den Erlebnissen die mich zum jahrelangen Schreiben sehr tränendrüsiger Blogs verleiten würden einen völlig anderen Twist. Nicht anders verfuhren übrigens auch Jackie Kennedy Onassis und Marilyn Monroe mit Teilen ihrer Vergangenheit:

  • Jackie O.  vergötterte ihren Vater und stellte ihn stets als „glamourösen Schürzenjäger“ dar. Für andere war er hingegen schlicht ein Alkoholiker, der noch dazu an Jackies Hochzeitstag so betrunken war, dass er seine Tochter nicht mal vor den Traualtar führen konnte, schreibt Pamela Keogh [2]. Auch Jackies Mutter beschreibt Keogh als unnachgiebige und rigorose Frau mit aufbrausendem Temperament, die ihre Töchter gerne mal mit der Haarbürste züchtigte und die durch nichts, was ihre Töchter taten, zufriedengestellt werden konnte.
  • Marilyn Monroe hatte,  was Bildung, sozialen Status und ein solides Seelenfundament angeht, einen wahrhaft schlechten Start. Ihren Vater lernte sie nie kennen. Die Mutter war psychisch labil und wurde später aufgrund ihrer Depressonen in ein Sanatorium eingewiesen, so dass Marilyn ab dem Grundschulalter von Pflegefamilie zu Pflegefamilie weitergereicht wurde, in denen es bisweilen alles andere als familiär und liebevoll zuging, zwischendurch landete sie im Waisenhaus. Im Alter von 12 Jahren kam sie in die Obhut von Grace McKee, eine Freudin von Marilyns Mutter. Grace liebte Filme, ging gerne ins Kino und steckte Marilyn mit ihrer Filmleidenschaft an. 1942 zogen Grace und ihr Mann an die Ostküste und konnten die damals knapp 16-jährige Marilyn, die gerade die Highschool beendete, nicht mitnehmen. Marilyn stand vor der Entscheidung, entweder ins Waisenhaus zurückzukehren oder zu heiraten. [2] Also heiratete sie. Den ersten von insgesamt drei Ehemännern.
Mein streng geheimes Motivationsbuch.

Was zählt eigentlich? Woher du kommst oder wohin du gehen willst?

Diane von Fürstenberg, Jackie O. und Marilyn Monroe hätten zweifelsohne Gründe genug gehabt, um sich in einem eigenhändig geschaufelten Loch zu verkriechen und die Vergangenheit zu verfluchen – was sie aber stattdessen taten, ist bekannt. Sie haben ihre Vergangenheit frisiert und umgeschrieben, mal mehr – wie Marilyn, die verschiedene Variationen präsentierte – mal weniger, so wie Jackie. Sie entschieden, was sie sein wollten und sie entschieden, was sie hinter sich lassen oder zu ihrem Vorteil nutzen wollten. Und genau das ist es, was mich an diesen Frauen mehr inspiriert und faziniert als alles andere. Weil sie auch ohne das jahrelange Wälzen von Ratgeberliteratur wussten, dass das Stochern in alten Geschichten nicht zielführend ist, denn:

Sind diese Geschichten einmal etabliert, dann wählen, modifizieren und verdrehen wir neue Erlebnisse, sodass sie zu unseren Erwartungen passen. Was wir für „die Wahrheit“ halten, ist tatsächlich eine ausgeklügelte und von unserem eigenen Verstand wohl durchdachte Fiktion. Sich klarzumachen, dass Ihre Geschichte geradezu willkürlich ist, dass es unzählige andere Sichtweisen gibt, die durch und durch genauso korrekt sein können, öffnet die Gefängnistür Ihres Glaubenssystems und erlaubt Ihnen, hinauszugehen, wenn Sie dies möchten. [3]

Noch einmal nur für mich zum Mitschreiben, weil es so wichtig ist:

Menschen suchen aktiv Informationen, die bestätigen, was sie bereits glauben, weil das kognitive Unstimmigkeiten mildert. (Quelle: Warum wir uns nur widerwillig von Fakten umstimmen lassen)

Nicht umsonst hieß es bei Dostojewski, dass man Gefangene am besten an einem Ausbruch aus dem Gefängnis hindert, indem man sie gar nicht wissen lässt, dass sie im Gefängnis sitzen habe ich über Dostojewski gelesen, ich habe ihn nicht selbst gelesen. Was für eine sinnlose Verschwendung von Energie, sich durch die immergleiche und eingeschränkte Sichtweise ins eigene Gefängnis zu sperren.

Darüber hinaus ist es mit unseren Erinnerungen auch so eine Sache, denn nicht mal die sind fälschungssicher. Schon mal was von der Erinnerungsverfälschung gehört? Elizabeth Loftus, Prof. an den Instituten für Psychologie, Kriminologie und Rechtswissenschaft der University of California in Irvine, sagt: „Das Gedächtnis sei suggestiv, subjektiv und formbar.“ [4] Das Gedächtnis verzerrt die Erinnerungen allerdings nicht nur, es lässt sich sogar übertölpeln und sich Erinnerungen unterschieben, die wir nie gemacht haben:

Noch leichter als durch erzählte Geschichten lässt sich die Erinnerung durch Bilder manipulieren. Die Psychologin Loftus zeigte Probanden Fotos, auf denen sie sich als Kind zusammen mit einem Verwandten in einem Heißluftballon schweben sahen. Die Hälfte der Befragten erinnerte sich später genau an die aufregende Ballonfahrt. Doch auch die hatte niemals stattgefunden. [Quelle: Falsche Erinnerungen – das Leben eine einzige Erfindung?] 

Da kommt man schon ins Grübeln, finde ich, und genau darum werde ich ab sofort wieder ein bisschen besser aufpassen, welche Geschichten ich mir über mich selbst und über meine eigene Geschichte erzähle. Und nein, ich werde es nicht „Tolldreiste Lügengeschichten“ nennen. Na ja… wobei… vielleicht doch. 😉

Marilyn pappt, wie oben erwähnt, selbstverständlich in meinem Motivationsbüchlein. Mehrmals. Die Postkarten gab’s bei amazon im 10er-Pack und ich musste sie haben, weil ich sie… äh… haben musste. Punkt. 

 

Anmerkung: Dieser Post ist nicht als Aufruf zu betrachten, irgendwas unter den Tisch zu kehren und sich „Dinge schönzureden“. Auch steckt hier keinesfalls die Botschaft drin: Das ist alles gar nicht so schlimm (gewesen), stell dich nicht so an. Es handelt sich hierbei lediglich um meine Gedanken zu einem Thema, das mich schon sehr lange und noch ein bisschen länger umtreibt und ich versuche hiermit lediglich, mir schreibend (m)ein Thema zu erschließen. Nicht mehr, nicht weniger. Auch ist es mehr eine Zusammenfassung dessen, was mich an Frauen wie Diane, Marilyn oder Jackie so fasziniert. Wenn ich euch damit inspirieren kann, dann freut es mich. Wenn nicht, macht bitte einfach so weiter, wie ihr das für richtig haltet.

Quellen, Infos & Leseklicks:
[4] welt.de: Erinnerungen können nachträglich manipuliert werden

Bücher: 
[3]amazon: Martha Beck: Enjoy your life: 10 kleine Schritte zum Glück*
[2]amazon:Pamela Keogh: Und wer sind Sie: Jackie oder Marilyn?*
[1]amazon:Diane von Fürstenberg: Die Frau, die ich sein wollte: Mein Leben*

*Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link. Bedeutet: Für dich ändert sich rein gar nichts am Preis und ich erhalte eine winzige Provison, wenn du etwas über diesen Link kaufst. Wenn du das nicht unterstützen möchtest, ignoriere den Link einfach und such dir das Buch bitte anderweitig raus. Falls du den Link nutzt: ❤ lichen Dank! 

Fotocredits: pixabay/StockSnap, Rest privat

17 Kommentare zu „Eine Frage der Sichtweise?

  1. Liebe Anna,
    sicher kann man sich selbst nie so ganz glauben, denn Wahrnehmung und Erinnerungen müssen nicht zwangsläufig immer so stimmen. Wenn mich aber etwas so stark geprägt hat, dass ich heute noch darunter leide, dann erkenne ich das erstmal an. Das ist für mich überhaupt die Grundsubstanz auf dem Weg selbst gewesen – die Anerkennung all meiner Gefühle und meiner Wahrnehmung. Erst danach ging es dann weiter, alles andere, was vorher per Therapie darauf abzielte, mir selbst nicht zu glauben, hat für mich alles nur schlimmer gemacht.

    Nun kommt es natürlich immer darauf an, wo man steht und „woher“ man kommt. Letztendlich ist man immer gut beraten, die eigenen Dramen zu hinterfragen, damit sich auch Blickrichtungswechsel ergeben können. Oft ist man dann überrascht, wieviel man auch gerne mal irgendwo reininterpretiert, was was da gar nicht hingehört. Oder wie oft man Menschen Gefühle etc. unterstellt, die nur dem eigenen Verstand entspringen. Das Feld ist halt weit und man muss immer schauen, wo man steht und von dort aus vor/weitergehen.

    Ein – für mich – ganz lustiges Video zum Thema selbst: https://www.youtube.com/watch?v=OhFdeWLjf5k

    Lg
    Clara

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  2. Absolut richtig. Darum schrieb ich unten auch, dass das kein Aufruf dazu ist, sich irgendwas schönzureden. Ich setze da gedanklich ein paar Jahr(zehnt)e später an. Du hast erkannt u. benannt, was war und nun hängst du in deiner alten Geschichte fest.

    Reagiere nebenbei bemerkt schwer allergisch auf Sprüche wie „Das bildest du dir nur ein“, „stell dich nicht so an“, „das ist nicht so schlimm“ etc. Wenn ich das so empfinde, dann ist das (für mich) erstmal so. Punkt. Aber ich spreche niemandem SEINE Empfindungen ab, müssen wir halt schauen, ob u. wie wir uns einigen können. 😉

    Danke für den Link, Byron Katie mag ich ja gerne.

    LG Anna

    Und eine Ergänzung noch zu „Es kommt darauf an, wohin du willst“: Das ist mit einer gewissen Vorsicht zu genießen und beinhaltet natürlich, „das Beste aus dem zu machen, was man hat/zu bieten hat“. (Schreibe ich jetzt eher für mich. Zur Erinnerung. 😏)

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    1. Moin Anna 🙂

      Interessant, ich hätte dieses „Es kommt darauf an, wohin Du willst“ gar nicht so interpretiert wie Du. Da sieht man schon, wie verschieden die Gedankenwelten oftmals sind.

      Benennen, Anerkennen, Loslassen. Für mich funktioniert das und natürlich braucht manches länger als anderes oder kommt auf der Spirale mal näher, rückt weiter weg, bis es sich weit genug aufgelöst hat, um nicht mehr als Belastung empfunden zu werden.

      So, jetzt aber raus an die frische Luft, die Sonne strahlt und wir haben gerade mal 8 Grad – unfassbar, wie kalt das geworden ist. Das schreit nach einem Schal und einer Runde Sonnenschein tanken *g*

      Hab ein feines Wochenende mit hoffentlich schönem Wetter!

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      1. Wahrscheinlich liegt meine Messlatte (bezogen auf das, was ich habe u. gemessen daran, was ich will) da einfach zu hoch und natürlich kannst du viel erreichen… aber es gibt dann eben auch Grenzen, die für andere gerade mal die untere Stufe der Trittleiter auf dem Weg nach oben sind. Aber das ist jetzt zu privat ergäbe Stoff für10 weitere Posts. Die ch hinterher sofort wieder löschen würde… 😂

        Sonniges Wochenende wünsche ich dir! 💚

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  3. Puh Anna, ich merke das ist für mich grade zu anspruchsvoll für Freitag Abend. Da kann ich nach der ganzen Arbeitswoche nur noch Lalaland verstehen 🙂
    Ich glaube Menschen neigen überhaupt dazu manche Sachen schön zu reden. Das ist eine Art Schutzmechanismus und eigentlich ganz gut. Vielleicht hat man mit Dingen die in der Erziehung so schief liefen, sorry ich finde da lief gewaltig viel schief, einfach auch mal abgeschlossen. Aber wie Du sagst, alles eine Frage der Sichtweise.
    Schönes Wochenende Anna, liebe Grüße Tina

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    1. Die Kunst liegt vielleicht darin, sich die „richtigen“ Sachen schönzureden und bei den anderen genau hinzuschauen. 😉

      Schönes Wochenende wünsche ich dir. Und danke, dass du dir diesen Post zum Feierabend reingezogen hast, du Heldin. Das ist in der Tat nicht ohne… 😏

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  4. Ich bin keine Verfechterin der These „Alles ist möglich, wenn du es nur wirklich willst!“. In meinen Augen ist das völliger Blödsinn. Ich kann mir noch so lange einreden, dass ich in diesem Leben noch zum Multimillionär mutiere- es wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit (hach! Ich liebe dieses Wortgebilde! ;oD) niemalsnie eintreffen.
    Aber ich bin wirklich der Überzeugung, dass ich, und zum allergrössten Teil nur ich alleine, dafür verantwortlich bin, was aus meinem Leben wird. Zumindest auf der Basis, die ich selber manövrieren kann. Krankheiten und Unfälle mal ausgenommen. (Obwohl: Ich kann auch viel dafür tun, möglichst gesund zu leben, was ganz bestimmt einen Einfluss auf den Verlauf meiner weiteren körperlichen Gesundheit haben wird. Etcpepe.)
    Ich bin da mal ganz ehrlich: Ich kann es nicht ab, wenn Menschen ein Leben lang jammernd ihre vermeintlich vermurkste Kindheit reflektieren und alles und jedes daran festmachen. Irgendwann ist man erwachsen genug um zu erkennen, dass man es in der Hand hat, diese Kapitel abzuhaken und auf „Reset“ zu drücken. Das ist, ich gebe es zu, nicht in jedem Fall ganz einfach. Aber gerade deine Beispiele zeigen eindrücklich, dass es möglich ist. Und bevor hier jetzt ein Aufschrei durch die Reihen geht: Ich meine damit natürlich NICHT Menschen, die ganz furchbare Dinge erlebt haben, weil sie in Kriegsgebieten oder ähnlich schauerlichen Szenarien gross werden mussten!
    Ich denke einfach, dass man sich wirklich irgendwann mal klar machen muss, „wohin man will“. Das sehe ich ganz genau wie du: Man kann mit Sicherheit immer das beste aus der Situation machen, in der man gerade steckt. Eine positive Einstellung bringt einem, so glaube ich, immer vorwärts, wohingegen einem Jammern und Hadern mit Sicherheit auf der Stelle treten lässt! Und der positive Umgang mit der aktuellen Lebenssituation (er)öffnet einem doch auch immer wieder neue Türchen und Möglichkeiten.
    Den Buchtitel auf deinem ersten Bild kann ich allerdings auch nicht unkommentiert unterschreiben ;oD : Man sollte schon auch mal mit sich selber und den Gegebenheiten zufrieden (und vielleicht sogar glücklich?) sein. Denn das Streben nach immer noch höheren Werten und Zielen kann einem auf halber Strecke völlig frustriert und desillusioniert ausbrennen lassen. Gelassene und zufriedene Menschen strahlen das aus und färben eventuell sogar auf die Umwelt ab. Mehr von ihnen würden unserer Gesellschaft definitiv nicht schaden……
    Ach. Ein grosses Thema, dem man in ein paar Zeilen gar nicht gerecht werden kann…. Aber versuchen kann man es ja trotzdem, nichtwahr? ;oD
    Herzliche Grüsse zum sonnigen Herbst-Sonntag! :oD

    PS: Den Blickwinkel zu ändern scheint mir eine sehr gute Empfehlung zu sein! Manchmal bringt ein völlig fremder (und manchmal auf den ersten Blick auch be-fremdlicher!) Blickwinkel ungeahnte Erkenntnisse! Selber schon so erlebt.

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    1. So, jetzt möchte ich die längere Antwort schreiben und eigentlich geht das gar nicht. Weil ich ja nicht mehr „zu persönlich“ schreiben wollte. [Willkommen im WeibsWort – dem Königreich der konsequenten Inkonsequenz] 😂 Okay, dann versuche ich also mal, das Schwein durchs Nadelöhr zu pressen.

      @Kindheit: Ich bin da ganz bei dir und das bin ich deshalb, weil ich es vorher andersrum gemacht habe. Fazit. Was für eine elende Zeitverschwendung! So viele Jahre für den Ar***. Und wenn du auf diesem „mimimi“-Trip bist triffst du unkluge Entscheidungen – nett formuliert – die dich auch später ins Straucheln bringen. Aber gut. Shit happens. Wie dämlich wäre es, jetzt auch noch daran rumzukauen, dass ich so viele Jahre verschenkt habe? Nee, irgendwann ist es dann auch mal gut.

      @Man kann alles erreichen: Klares Jein. *g* Nein, nicht jeder kann alles werden („die neue“ Madonna, „der neue“ Ronaldo… na was auch immer). Aus einem Nilpferd wird kein Einhorn. Ende der Durchsage. Aber JA, jeder kann sich im Rahmen seiner(!) Möglichkeiten entwickeln und in Richtung dessen gehen, was Coaches wohl gerne als „werde die beste Version von dir“ bezeichnen. Das glaube ich. Zumindest meistens. Seitdem ich da überwiegend meinen Frieden mit mir gemacht habe, geht es mir sehr viel besser und es hat sich eine Art Dankbarkeit eingestellt. Nur manchmal… manchmal erwischt es mich böse, weil irgendwas (oft erst im Nachhinein) furchtbar triggert und mich direkt in diese „Was hätte sein können, WENN“-Szenarien katapultiert. „Wo könntest du heute sein, WENN… wer könntest du heute sein, WENN…“ Das ist dann der freie Fall und ich fange an, mit allem und jedem zu hadern und dann kann man mir eigentlich auch nur aus dem Weg gehen, weil ich um mich schlage, ohne an die Folgen zu denken (weil ich in diesem Moment nicht denken kann). Das ist der Moment, in dem diese Mimimi-Unfair-Welle über mir zusammenschwappt und ich es verfluche, dass ich mir das, was ich als „solides Fundament“ (für alle Lebensbereiche) bezeichne, selbst erarbeiten musste. Und ich habe so spät damit angefangen … und es gibt Bereiche, die einfach einem völlig zerfledderten Fischernetz gleichen – das trägt nicht dazu bei, dieses „du wirst nie gut genug sein“-Gefühl abzustreifen. Es fühlt sich immer wieder so an, als würdest du dich aufmachen, um den Mount Everest zu bezwingen und hättest nur das Rüstzeug für eine Tour durch den Stadtpark. Aber gut, s.o.: shit happens. zurückschauen hilft nicht. Ein unkonventioneller Blickwinkel hilft allerdings in der Tat. 😉

      Und den Buchtitel habe ich mir gerade noch mal angeschaut. Hm… doch, ich mag den sehr. Wahrscheinlich ist genau das ein Problem. Weil das Bild „meiner idealenFrau“ (also die, die ich vielleicht gerne sein würde – und ich schreibe bewusst vielleicht, weil ich ja keine Ahnung habe, ob ich dann glücklicher wäre) so gewissermaßen wie die Möhre ist, die den Esel an der Nase rumführt. Aber egal. Ich brauche einen Antrieb, sonst verrotte ich auf der Couch und das kann ja auch niemand wollen – am allerwenigsten ich. 😛

      Herzlichen Dank für deinen Kommentar und den Input! ❤

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  5. Liebe Anna, Dein Artikel ist sensationell gut und sicherlich wissen alle, die sich in der Welt der Traumen, nicht Träumen, nur ein kleinwenig auskennen, was Du meinst. Es ist sicherlich nicht, wie leichthin dargestellt, immer eine freie Entscheidung an alten Mustern festzuhalten oder sie einfach hinter sich zu lassen und in die eigene, selbst entschiedene Welt, zu tappern. Wer das glaubt, der glaubt auch, dass es für einen Zwerg und einen Riesen gleich schwer ist, einen Baum auszureißen. Können, tun es natürlich beide.
    Und Pippi Langstrumpf, übrigens mein großes Vorbild :-)), sagt: „Das habe ich noch nie probiert, also bin ich mir sicher, dass ich es schaffe“.

    Chapeau Anna
    Gabriele

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    1. Liebe Gabriele, ich musste gerade lachen. Denn: Nein, leicht ist da gar nichts. Und darum auch meine Anmerkung unter dem Post und ich habe den Titel jetzt auch mal mit einem Fragezeichen versehen. 😉 Alles braucht seine Zeit und manches gehört in fachkundige Hände. Dieser Post ist auch mehr als eine Zusammenfassung dessen zu verstehen, was mich an Frauen wie Diane, Marilyn oder Jackie so fasziniert – ich käme (im Gegensatz zu manchen Autoren, deren Bücher mit unterkamen) nicht im Traum darauf, einem traumatisierten Menschen zu sagen: „Betrachte das doch mal aus einem anderen Blickwinkel.“ Nebenbei bemerkt: Was sich hinter der Fassade von Jackie & co abspielte, wissen wir ja auch nicht und dass zumindest Marilyn nicht „so einfach alles hinter sich gelassen hat“, ist wohl auch kein Geheimnis. Aber die Idee, die Dinge, die alten Geschichten oder was auch immer einfach mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten, die finde ich faszinierend. Vielleicht fasziniert mich aber auch die Vorstellung, dass es leicht sein könnte… 😉

      Pippi Langstrumpf geht immer – ich werde mir über die Weihnachtsfeiertage die alten Filme ansehen. Und einer meiner liebsten Sprüche kommt von Holly Golightly: „Ich habe dieses Verhalten noch nie ausprobiert, Darling. Woher soll ich wissen, ob ich es mag oder nicht?“ [Ich muss das öfter beherzigen, schöner Spruch.]

      Herzliche Grüße und danke dir für dein Feedback!

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  6. Das klingt jetzt absolut einfallslos, aber ich gehe 100%ig mit Frau Hummel konform. Klar ist es einfacher, sich *mimimi* jaulend hinzusetzen und die schlechte Kindheit/Ehe/keineAhnung zu beschwören anstatt selbst aktiv zu werden und sein Leben so zu gestalten wie man das gern hätte. Und klar gibt es für die meisten Menschen Grenzen in dem, was sie erreichen. Und wenn es ethisch-moralische Grenzen sind.
    Ich glaube, ich sollte meinen Eltern nochmal meinen Dank dafür aussprechen, dass sie mich beides sehr früh gelehrt haben.
    Liebe Grüße
    Fran

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  7. Ich halte das „in der Vergangenheit“ stochern auch für allergrößten Stuss! Ändert sich ja nix dadurch. Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern, die Zukunft schon. Und es kann sehr überraschend sein seine Sichtweise zu ändern…überraschend gut!
    Liebe Grüße
    Juniwelt
    P.S. Das ist mal wieder ein sauguter Text!!!!!!!!!! Danke dafür 🙂

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    1. Ich danke dir! ❤ Und ich denke, dass das Stochern in der Vergangenheit für eine gewisse Zeit seine Berechtigung hat, weil du sonst überhaupt nicht versehst, warum du so handelst/reagierst wie du es tust. Aber irgendwann ist es dann auch mal gut. In der Theorie. Nur die Praxis… diese verdammte Praxis… 😂

      Lieben Gruß
      Anna

      Gefällt 1 Person

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