Im Land der Lügen.

Dachtet ihr, es geht um die Social-Media-Welt? Falsch gedacht. Es geht um die Dokumentation Im Land der Lügen -wie die Politik u. Wirtschaft mit Zahlen manipulieren  von Tilman Achtnich. Nicht mehr ganz frisch, da am breits 2016 erstausgestrahlt, aber nichtsdestotrotz sehr sehenswert. Und warum? Weil es u.a. um unsere Gesundheit geht. Und letztendlich „einfach nur“ um den flapsigen Spruch „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“, denn:

Täglich wird die Öffentlichkeit mit einer Datenflut überschüttet. Doch kann man den Zahlen wirklich vertrauen. Woher kommen sie? Welche Interessen stecken dahinter und wie wird getrickst? Zahlen, Daten, Diagramme nach Interessenlage? Wie kommen Versicherer z. B. auf Lebenserwartungen von 115 Jahren bei ihren Prämienberechnungen? Diese Dokumentation begibt sich auf eine Suche nach der Wahrheit im „Land der Lügen“. Zeigt, mit welchen Tricks getäuscht und manipuliert wird. Und worauf man in Zukunft achten sollte, wenn man nicht im Zahlenmeer ertrinken will. Denn ohne Glaubwürdigkeit haben die besten Zahlen und die schönsten Statistiken jeden Wert verloren. (Quelle: ARD)

Nehmen wir mal das Beispiel mit den Grenzwerten, mit denen es wohl jeder von uns im Lauf seines Lebens zu tun bekommt:

Ob Bluthochdruck oder Blutzucker – die letzten Jahre wurden die Grenzwerte immer wieder gesenkt. Zur Freude der Pharmaindustrie, die auf diese Weise zu Millionen neuer Patienten kommt. Und der medizinische Nutzen ist längst nicht so eindeutig, wie man der Öffentlichkeit suggeriert, basieren die Zahlen doch oft auf fragwürdigen Studien, die interessengesteuert entstanden sind, sagt der weltweit anerkannte Risikoforscher Prof. Gerd Gigerenzer. (Quelle: ARD, Im Land der Lügen)

Tatsächlich wurden verschiedene Werte im Lauf der Jahre gesenkt:

  • Blutzucker: 1980 wurde die Diagnose Diabetes bei einem Nüchtern-Blutzucker von 144 Milligramm pro Deziliter Blut gestellt, heute bereits ab 126 eine Behandlung empfohlen. [1] In der Doku wird außerdem Prä-Diabetes erwähnt und der beginnt ab einem Wert von 100 mg/dl.
  • Bluthochdruck: 1980 war laut Weltgesundheitsorganisation 160 normal, zehn Jahre später 140, im Jahr 2000 dann 130 und nun wieder 140. [1] Allerdings gibt es mittlerweile eine große US-amerikanische Studie (SPRINT-Studie), die vermuten lässt, dass Patienten enorm von einer kompromisslosen Senkung des systolischen Blutdrucks auf 120 mmHg profitieren würden… (Quelle: NDR: Welche Blutdruckwerte sind optimal?)
  • Cholesterin: 1975 wurde ab 240 Milligramm pro Deziliter eine Behandlung in Erwägung gezogen, seit 2004 schon ab 130. [1] Randnotiz: Dr. Keys, der in den 50er-Jahren „nachwies“, dass Cholesterin gefährlich ist, griff nicht nur lediglich auf die Studienergebnisse zurück, die seine Behauptung untermauerten und ignorierte die anderen, er war zugleich bezahlter Berater der amerikanischen Margarineindustrie – heißt es in „Land der Lügen“.

Grenzwertige Verschiebung der Grenzwerte?

Die Senkung der Grenzwerte kann natürlich lediglich neuen Erkenntnissen geschuldet sein.  Prof. Stefan Wilm (Universitätsklinikum Düsseldorf) gibt in der Doku allerdings folgendes zu bedenken: „Je niedriger wir Grenzwerte ansetzen, umso  mehr Menschen müssen oder sollen wir mit Medikamenten behandeln, umso  mehr Menschen sind krank und fühlen sich krank […] Umso mehr Medikamente werden verordnet, aber der Patient hat davon keinen Nutzen.“ Anderswo heißt es:

„Weil mit jeder neuen Verschiebung der Grenzwerte die Zahl der Menschen wächst, die offiziell als krank gelten, schlagen Gesundheitswissenschaftler inzwischen Alarm. Der amerikanische Nierenspezialist Richard Glassock machte letztes Jahr in einem Artikel im British Medical Journal (BMJ) darauf aufmerksam, dass unter die neueste Definition von chronischem Nierenversagen jeder achte US-Bürger falle, von den über Siebzigjährigen sogar jeder zweite. Nur ein verschwindend geringer Teil dieser neu deklarierten Patienten, schrieb Glassock, lande am Ende wirklich mit Nierenversagen im Krankenhaus – aber fast alle würden mit Medikamenten behandelt.“ (Quelle: Medizinische Grenzwerte – Krank gesund)

In „Land der Lügen“ heißt es lapidar, „dass das ein Wachstumsmarkt ist, der keine Grenzen kennt – nur Grenzwerte“. Lasse ich jetzt einfach mal so stehen. Bildet euch euer eigenes Urteil, macht [vielleicht vor dem 24.9.] einen Ausflug ins Reich der Grenzwerte und Statistiken und schaut u.a. auch dabei zu, wie das Frühstücksei rehabilitiert wird, wenn ihr mögt. Hier geht’s zur 45-minütigen Doku (auf youtube): Im Land der Lügen – Wie uns Politik und Wirtschaft mit Zahlen manipulieren

 

Zitat Statistik

 

Fotocredits: Beitragsbild gratisography, Rest privat

10 Kommentare zu „Im Land der Lügen.

  1. Liebe Anna,

    diese Gleichmacherei von Menschen in der westlichen Medizin nervt mich schon lange. Man sieht nur noch Werte, aber den Menschen nicht mehr. Für eine individuelle Behandlung ist keine Zeit und kein Geld da. Es ist eine Maschinerie, die allein schon durch die ganze Angstmache im Land blüht – so sehr ich z.B. auch zu schätzen weiss, dass wir kostenlose Vorsorgeuntersuchungen wahr nehmen können, aber so allergisch reagiere ich auf Ärzte, die mir erzählen, wenn ich nicht alle 6 Monate zu ihnen komme, werde ich garantiert Krebs kriegen und sterben. Diese Panikmache, verbunden mit den immer niedrigeren Werten, damit immer mehr Chemie verabreicht werden kann, die ihrerseits dann durch Nebenwirkungen oft auch wieder neue Krankheiten entstehen lässt, die dann neue Chemie brauchen – es ist eine Schande.

    Aber das passiert halt immer, wenn der Mensch nicht mehr im Fokus steht sondern die Kohle. Da hilft nur „wach“ im Kopf bleiben und sich nicht unterkriegen lassen. Letztendlich frage ich mich auch immer, was die eigentlich wollen? Dass wir bei einem eh schon überbevölkerten Planeten alle noch älter werden als bisher schon? Wo ist denn da die Lebensqualität, wenn Du irgendwann 150 wirst, aber dafür die letzten 70 Jahre nur noch vor Dich hin vegetierst pillenschluckend? Will ich das überhaupt? Ich glaube eher nicht.

    Lg
    Clara

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  2. Och ich mach mir da keine Gedanken. Solange mein gesunder Menschenverstand noch da ist, ist alles gut.
    Und solange man einen Hausarzt hat, der die Kirche im Dorf lässt ist alles gut. 😎
    Ich wünsche Dir einen schönen Abend Anna 🙂
    Liebe Grüße Tina

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  3. Nun, die Pharmaindustrie hat eine gute Lobby, würde ich sagen 🙂 Also da, wo es ihr nützt. Und für einen Markt, der wachsen muss, weil sich sonst keine immer größeren Gewinne einfahren lassen, braucht man eben eine gute Lobby. Und sinkende Grenzwerte. Wo kämen wir denn hin, wenn die Menschen gar nicht kranker werden und immer mehr Medikamente brauchen? Und natürlich Nahrungsergänzungsmittel in Massen, weil es echt zu aufwendig ist, in einen Apfel zu beißen… Aber das ist wieder ein anderes Feld. Gesunder Menschenverstand ist das Eine. Aber ich bin ganz froh, dass ich in ein paar Jahren hoffentlich. meinen eigenen Leib- und Magenarzt habe, der mich sieht und nicht den Grenzwert. Falls das Kind sich nicht vorher von der Pharmaindustrie kaufen lässt 😉
    Liebe Grüße
    Fran

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    1. Nicht nur die hat eine gute Lobby. Lobbyismus oder Cliquenwirtschaft u. Vitamin B sind überhaupt was, bei dem mir schnell die Sicherungen durchbrennen. *hüstel* Es heißt ja, „Wenn du dich für sooo erleuchtet hältst, dann verbring mal ein Wochenende bei deinen Eltern“ – bei mir wären es Themen wie diese, an denen ich sehr schön ablesen kann, wie es um meine innere Balance steht.

      Stimmt! Du hast bald deinen eigenen Leib- u. Magenarzt! Wunderbar. Ich werde doch irgendwann gen Norden ziehen. Für vertrauenwürdige Ärzte ist mir (fast) kein Weg zu weit. 😎

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  4. Gute Doku…haben Herr Argh und ich lange drüber diskutiert. War vor allem für mich höchst interessant, weil ich weiss, was so mit Zahlen möglich ist…

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    1. Gibt ja Dokus, die sehr reißerisch aufgemacht sind und letztendlich ist es schon klar, dass, wenn welches Thema auch immer aufgegriffen wird, eben nicht alles „supiklassetoll“ ist. Aber diese Doku blieb mir nachhaltig in Erinnerung. Vielleicht, WEIL ich eben zu denen gehöre, die man mit Zahlen u. Statistiken sehr viel leichter als mit Worten oder einem „souveränen“ Auftritt beeindrucken kann. 😉

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