Eine Frage der Sichtweise?

[Aus gegebenem Anlass ein Post aus der Konserve – allerdings komplett überarbeitet und von *Mimimi* befreit. ]

Ich bin ja bekennende Leserin von Frauenzeitschriften und Lebenshilferatgebern. Nun griff ich in einer seelisch eher instabilen Phase mal wieder zum New York Times Bestseller „Du bist der Hammer! Hör endlich auf an deiner Großartigkeit zu zweifeln, und beginn ein fantastisches Leben“. Ihr merkt, dass ich an diesem Titel einen Narren gefressen habe, da ich ihn ständig ausschreibe und das liegt daran, dass mir noch nie eine so dermaßen blöde Übersetzung unterkam. Jen Sincero schreibt:

„Wir gehen völlig in den Geschichten auf, die wir uns einreden. […] Wir klammern uns mit hängenden Köpfen an falschen Überzeugungen fest, als handle es sich um mit Scheiße gefüllte Rettungsboote.“

Drastisch formuliert, trifft es aber sehr gut. Und dann riet sie tatsächlich dazu, das eigene Leben doch mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Weil man die Dinge immer anders betrachten kann, wenn man das möchte. Das war der Moment, in dem mir einfiel, warum ich bei derartigen Seelengroßwetterlagen sonst eher zu Harry Potter greife. Der ist netter und tritt einem nicht in den Allerwertesten und außerdem kann er zaubern.

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Ich habe einen Kürbis getragen.

#kann eingangs Spuren von Ironie enthalten

[Vorneweg: Ich mag den Herbst und ich bin daher so objektiv, wie man es eben sein kann, wenn man irgendwas mag und ein recht begeisterungsfähiges Wesen ist. Bildet euch also bitte trotz meiner Begeisterung euer eigenes Urteil – vor allem dann, wenn ihr damit liebäugelt, den Herbst zu kaufen… äh… ach nee… der ist ja nicht käuflich. Na dafür liebe ich ihn umso mehr.  Also gut: Dann bildet euch bitte euer eigenes Urteil, ehe ihr – total von meinem Herbstpost geflasht – den Job kündigt, das Haus verkauft und den Partner in die Wüste schickt, um fortan nur noch dort zu leben, wo es dauerhaft herbstelt. Capiche? Gut.*]

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Das Ja-Experiment – (mein) Year of Yes

Oder: Wie mich ein eigentlich amüsant geschriebenes Buch in einer Tour darüber nachdenken lässt, was für eine blöde und durch und durch langweilige Kuh Nuss ich doch bin. Preisfrage: Wovon könnte ein Buch handeln, das den Namen Das Ja-Experiment trägt? Ja, da gerät das Hirn ins Rotieren. Eine wirklich schwere Frage, ich weiß.

Das Ja-Experiment ist ein typischer Fall von „instagramamademebuyit“, denn ohne Instagram hätte ich nicht gewusst, dass Shonda Rhimes [Schöpferin von Grey’s Anatomy, Private Practice oder Scandal] ein Buch geschrieben hat. Wäre mir ehrlich gesagt auch schnurzpiepegal gewesen, da ich keine dieser Serien länger als ein paar Folgen angeschaut habe – wenn ich denn überhaupt reingeschaut habe. Mit Arztserien kann man mich jagen, da kollabiert der latent in mir schlummernde Hypochonder und alpträumt von Excalibur-großen Eiszapfen, die ihn heimtückisch erdolchen. Oder von todbringenden Krabbelviechern, die sich durch den Verzehr einer exotischen Frucht häuslich in seinem Inneren einrichten, ihn langsam von innen her aushöhlen und irgendwann, wenn nur noch eine Hülle übrig ist… na lassen wir das. Ihr seht also, dass es in unserer aller Interesse ist, dass ich keine Arztserien anschaue und nun lasst euch den Obstsalat schmecken, denn sonst hätte ich gruselige Träume, die ich selbstverständlich verbloggen müsste.

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Gelesen: Love x Style x Life

[Vorneweg: Dieses Buch kam, sah und siegte. Ich bin also so objektiv, wie man es eben sein kann, wenn man irgendwas mag und ein recht begeisterungsfähiges Wesen ist. Also schaut bei Interesse bitte einfach mal selbst ins Buch und bildet euch euer eigenes Urteil, ehe ihr es kauft. Eigentlich logisch, oder? Finde ich auch. Und warum erwähne ich es trotzdem? Erkläre ich euch am Ende des Posts.]

Garance Doré war mir zwar ein Begriff, allerdings tangierte sie mich bisher nur peripher und da ich keine Fashion-Bloggerin bin, habe ich da nicht mal ein schlechtes Gewissen. Allerdings ist Madame Doré eben … tadaaa… Französin. Und was für ein frankophiles Stück ich bin, hatte ich gelegentlich schon mal erwähnt, glaube ich. Kam also an „Love x Style x Life“ nicht vorbei und das ist gut so.   „Gelesen: Love x Style x Life“ weiterlesen

How to be angezickt.

#kann Spuren von Ironie enthalten

#(k)eine Rezension

Oder: Sind wir nicht alle Französinnen? [Wobei… wollen wir das überhaupt sein?] Was passiert, wenn frau, also ich, zu viele Style Guides oder ähnlich gelagerte Bücher liest, die sich damit beschäftigen, „der Französin“ ein Denkmal zu bauen, nur weil sie eine Französin ist? Dann übernimmt frau, also leider auch ich, irgendwann unweigerlich ein paar Verhaltensweisen ihrer Idole, die sie – man kann es gar nicht oft genug erwähnen, weil es so absurd ist, dass man es eigentlich niemandem erzählen darf – lediglich deshalb „vergöttert“, weil sie eben nicht in Sindelfingen, Brunsbüttel oder Castrop-Rauxel geboren wurden, sondern in Frankreich. Oder noch besser: in Paris!  Widmen wir uns deshalb erstmal dem Berliner Stil, der perfekt in diesen Post passt. Versteht ihr nicht? Macht nichts, das kommt noch. Versprochen. „How to be angezickt.“ weiterlesen

Alles Lauch, oder was?

Es ist kein Geheimnis, dass ich mich mit beinahe allem ködern lasse, was in die Rubrik „die Französinnen“ passt. Selbstverständlich nenne ich auch das Buch „Warum französische Frauen nicht dick werden: Das Geheimnis genussvollen Essens“ mein Eigen. Ihr wisst schon, dieses Buch von Mireile Guiliano, in dem sie dem Lauch recht viel Platz einräumt. Der gemeine Lauch ist nämlich der Grund dafür, warum französische Frauen ihre Idealfigur halten. Die Französinnen ich liebe diese Verallgemeinerungen und stelle mir gerade vor, was wohl passiert, wenn es da mal einen Lauch-Engpass gibt… wird dann der Notstand ausgerufen?! köcheln sich nämlich erst ein Lauchsüppchen, filtern dann aber den Lauch raus und trinken mehrmals täglich nur die Brühe. Den kalten Lauch gibt’s zum Abendessen. Mit Essig oder Zitronensaft beträufelt. Wer es richtig krachen lassen möchte, gibt ein halbes Tröpfchen Olivenöl dazu.

Frau Guiliano stellt in ihrem Buch also gewissermaßen die Lauch-Trennkost vor, die ich selbstverständlich auch ausprobiert habe. Nun ja. Muss gestehen, dass das jetzt … hm… nicht unbedingt die geschmackliche Offenbarung war, die ich erwartet hatte. Andererseits, was soll man von gekochtem, nachfolgend erkalteten und dann mit Essig besprenkeltem Lauch auch groß erwarten? Möglicherweise, so viel Selbstkritik muss sein, habe ich mir den Genuss aber auch schlicht versaut. Mit dem falschen Aceto Balsamico. Meiner durfte nämlich nicht 25 Jahre in einem handgezimmerten Eichenholzfass reifen, während man ihm nebenbei Mozarts Zauberflöte vorspielte. Da kann sogar ein Essig sauer werden, denke ich mir. „Alles Lauch, oder was?“ weiterlesen

Im Land der Lügen.

Dachtet ihr, es geht um die Social-Media-Welt? Falsch gedacht. Es geht um die Dokumentation Im Land der Lügen -wie die Politik u. Wirtschaft mit Zahlen manipulieren  von Tilman Achtnich. Nicht mehr ganz frisch, da am breits 2016 erstausgestrahlt, aber nichtsdestotrotz sehr sehenswert. Und warum? Weil es u.a. um unsere Gesundheit geht. Und letztendlich „einfach nur“ um den flapsigen Spruch „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“, denn:

Täglich wird die Öffentlichkeit mit einer Datenflut überschüttet. Doch kann man den Zahlen wirklich vertrauen. Woher kommen sie? Welche Interessen stecken dahinter und wie wird getrickst? Zahlen, Daten, Diagramme nach Interessenlage? Wie kommen Versicherer z. B. auf Lebenserwartungen von 115 Jahren bei ihren Prämienberechnungen? Diese Dokumentation begibt sich auf eine Suche nach der Wahrheit im „Land der Lügen“. Zeigt, mit welchen Tricks getäuscht und manipuliert wird. Und worauf man in Zukunft achten sollte, wenn man nicht im Zahlenmeer ertrinken will. Denn ohne Glaubwürdigkeit haben die besten Zahlen und die schönsten Statistiken jeden Wert verloren. (Quelle: ARD)

Nehmen wir mal das Beispiel mit den Grenzwerten, mit denen es wohl jeder von uns im Lauf seines Lebens zu tun bekommt: „Im Land der Lügen.“ weiterlesen

Affentheater.

#kann Spuren von Ironie enthalten

#ist evtl. giftbratziger als üblich

Ich lese ja fast alles und schrecke vor den Bekenntnissen eines Aufreißers ebenso wenig zurück wie vor Osho oder Kinderbüchern. Allerdings weiß ich ab sofort, was ich nicht mehr lesen werde: Nämlich Bücher von mehr oder weniger prominenten Frauen, die mal mehr und mal weniger tränendrüsig/selbstmitleidig/supiwitzig davon erzählen, wie schwer es ist, in dieser Welt in Würde zu altern. Wobei ich es immer wieder faszinierend finde, dass die Würde mit dem Alter verknüpft wird. Und mit Falten oder Winkeärmchen. Wie kommt man denn auf dieses schmale Brett? Tatächlich habe ich noch nie das vom Leben gezeichnete Gesicht einer 80-Jährigen betrachtet und gedacht, oh je, du arme, faltige, würdelose Frau.

Aber zurück zu diesem „Mimimi … ich werde älter“-Gedöns, was zu 95 Prozent von Frauen geschrieben wird, die ein Problem mit dem Älterwerden haben was ja logisch ist, da es für die Frauen, die kein Problem damit haben, auch kein Thema ist, weswegen sie es auch nicht thematisieren müssen, womit die Richtung schon mal klar vorgegeben ist: Älterwerden ist scheiße und früher war alles besser vor allem das Bindegewebe und die Figur. Warum möchte ich das nicht lesen? Weil es mir nichts bringt. Auch dann nicht, wenn dem Ganzen eine pseudowitzige Note verpasst wurde, die Verzweiflung und der Frust aber trotzdem aus jeder Zeile schreien. Ja, wir werden älter und bleiben nicht ewig fünfundzwanzig. Ja ist das denn zu fassen? Was ist denn die Alternative? Jung sterben und dabei toll aussehen und als Schönste von allen in die Grube fahren?  „Affentheater.“ weiterlesen